FRANZ VON APULIEN BIETET DIE FEUERPROBE AN 5o5
gebot der Feuerprobe sicher nicht gemacht worden 18 . Ebenso-wenig ist zu bezweifeln, daß zwischen den Anschlägen an den Kir-chentüren, die zum Sturm gegen die Frateschenführer aufforder-ten, und der Herausforderung zur Feuerprobe, die am selbenMorgen im Heiligkreuz stattfand, ein innerer Zusammenhangwaltete; die Probe sollte dazu dienen, auch mit dem Frate ein Endezu machen. Fest steht jedenfalls, daß der Franziskanerprediger jvon Heiligkreuz und ebenso ein Augustiner in Heiliggeist geradein diesen Tagen die besondere Gunst der Compagnacci genossen,die sich ihrer bedienten, um die Brüder von S. Marco aus demFelde zu schlagen 49 . Der Minoritenobservant Franz von Apulienvom Kloster S. Miniato, der während der Fastenzeit die Kanzelvon Heiligkreuz innehatte, ein kleines, schmächtiges Männchen,gelehrt und beredt, war nicht böse gesinnt 50 . Er hätte aber keinrechter Franziskaner sein müssen, wenn nicht auch ihm der inseinem Orden erbliche Geist der Eifersucht gegen die Dominikanerim Blute gelegen wäre, der in Florenz von selbst im Kampfe gegenden Frate zum Ausdruck kommen mußte, den trotzigen Verächterdes Heiligen Stuhles. Konnte es für einen Sohn des heiligen Franzeine erhabenere Aufgabe geben als die Verteidigung der Würfledes Heiligen Vaters? Ließ sich ein verdienstlicheres Werk christ-licher Barmherzigkeit denken als die Rettung so vieler Seelen,die, vom Gebannten und seinen Gehilfen verführt, in der Gefahrewigen Verderbens schwebten? Welcher Ruhm für den Ordendes heiligen Franz, wenn es einem seiner Streiter gelang, den Stolzvon S. Marco r zu beschämen, dem Lästerer des Stuhles Petri denMund zu schließen und die trügerische Prophetenmaske zu ent-reißen, in der er zahllose Gläubige zum besten hielt? Nichts an-deres aber ersehnten die Arrabbiati und Compagnacci; kämen nurdie päpstlichen Bannsprüche zur vollen Wirkung, so hätten sie,bekannten sie offen 51 , gewonnenes Spiel. So trafen also dieWünsche der eifersüchtigen Franziskaner, der herrschsüchtigenArrabbiati, der genußsüchtigen Compagnacci und des beutesüch- ^6//ytigen Papstes in dem einen Verlangen nach der vollen Durchfüh-rung des Bannes zusammen. Für sie in Wort und Tat einzutretenund, wenn es sein mußte, selbst das Leben aufs Spiel zu setzen,war das nicht ein erhabenes Werk? Wie hätte sich also Franz vonApulien bedenken sollen, das Angebot der Feuerprobe zu machen!Er konnte es um so leichter ergehen lassen, je geringere Gefahr