5o2 DIE FEUERPROBE
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die Leute, vor einer Laterne niederzuknien, mit der Aufforderung:„Bete das wahre Licht an!", denn der Frate sprach wiederholt vomSchlüsselchen und bezeichnete die Erneuerung der Kirche als daswahre Licht 25 . Ernste Beunruhigung verursachte unter den Fra-teschen die Nachricht von den kriegerischen Maßregeln, die derMohr in Genua traf, wo er mit 4000 Mann eingerückt war; manfürchtete, er plane einen Angriff gegen Florenz zum Sturze derVolksherrschaft und der Frateschen 26 . Umgekehrt standen dieseim Verdachte, sie führten einen Anschlag gegen die Arrabbiatenim Schilde 27 . Lorenz Medici, gleich seinem Bruder Johann immerwieder darum angesehen, daß er sich zum Tyrannen aufwerfenwolle 28 , hielt es für geraten, die Stadt zu verlassen und in dieFerne zu ziehen, aus Furcht vor dem Frate, den man immer nochfür mächtig genug und auch für fähig hielt, ein Blutbad unterseinen Gegnern anzurichten 20 . Im allgemeinen war man jedochim Lager der Arrabbiaten und ihrer Verbündeten durchaus zuver-sichtlich und siegessicher gestimmt. Man vertraute, die gegen-wärtige befreundete Signorie werde ihre Macht besser als manchevor ihr zum Vorteile der Republik auszunützen wissen 30 . Manwar der Anschauung 31 , die Arrabbiaten brauchten sich nur mitden Grauen zu vereinigen, um ihre Gegner mühelos niederzu-schlagen. Man glaubte, die Tage der Volksherrschaft und Valorisseien gezä hlt; das Volk sei der Heuchelei und Schwindelei desFrate müde, die Unzufriedenheit mit den Franzosen nehme zu,schon binnen weniger Tage könne es zu einer Umwälzung kom-men 32 . Der Mohr selbst hielt dafür, sein Bruder Askanio habesehr weise getan, den Papst nicht zu besänftigen und das zweiteBreve (vom 9. März) zu veranlassen; es könne nicht fehlen, daßdie Dinge eine Wendung nach dem Willen des Heiligen Vatersnähmen 33 . Auch die Florentiner "von Rom waren der Ansicht,die Stunde zur Vernichtung des Frate habe geschlagen. Sie dran-gen in den Papst, einen Prälaten nach Florenz zu schicken, umihn zu holen, die gegenwärtige Signorie werde es an ihrer Unter-stützung nicht fehlen lassen 34 .
So standen die Dinge auf Spitz und Knopf. Gleichwohl hättesich die Entscheidung, da sich die beiden Parteien zwar sprung-bereit, aber gleich stark und behutsam gegenüberstanden, viel-leicht noch eine Weile hingezogen, hätten nicht die Compagnacc ieingegriffen. Sie waren die Mannen der Brüder Johann und Lo-