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1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
501
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FELINO SANDEOS ABFALL 5ot

war inzwischen zu den Feinden des Frate 14 übergegangen, unterwelchen er als Verfasser des scharfen BrevesNunquam putavi-mus" 15 vom 9. März 1498 eine hervorragende Rolle spielte. Schonglaubte er sich dem Ziele seines brennenden Ehrgeizes nahe,schon sah er den roten Hut über seinem Haupte schweben; be-trieb doch der Mohr beim Papste und beim Kardinal Cesare, .,derSeele seiner Heiligkeit" 16 , seine Erhebung zum Kardinalate 17 .Eben damals nun erteilte Sandeo dem Herzoge von Ferrara denRat, den Papst, der ihm die Annahme der Widmung der SchriftPicos von Mirandula über die Ungültigkeit des über den Frateverhängten Bannes übelnehme, durch ein Entschuldigungsschrei-ben zu beschwichtigen. Der Herzog dankte ihm unverweilt fürden ihm wertvollen Wink 18 , und richtete zugleich einen Brief 10an den Papst mit der Versicherung, niemals habe er sich von Picoin der erwähnten Sache eine Belehrung erbeten, niemals in diepäpstliche Vollgewalt den geringsten Zweifel gesetzt. Wäre ihmje ein Bedenken aufgestiegen, so hätte er Gelehrte ersten Rangesgenug an der Seite, die ihm ein Gutachten ohne Kränkung SeinerHeiligkeit auszustellen vermöchten. Der Heilige Vater dürfe über-zeugt sein, Pico habe da entweder phantasiert oder gelogen. Erselbst, der Herzog, habe denn auch mit dem Ausdrucke seinesgerechten Unwillens nicht zurückgehalten und den Schuldigeneinen scharfen Verweis erteilt, daß sie sich einerseits an eine Auf-gabe herangewagt hätten 20 , die ihre Kräfte übersteige und sich füreinen guten Christen nicht schicke, und daß sie sich anderseitserdreisteten, ihn, dem eine solche Leichtfertigkeit ganz ferne liege,zum Bestreiter der päpstlichen Vollgewalt zu stempeln.

Die zähe Beharrlichkeit, mit welcher der Papst auf seinen Maß-regeln gegen den Frate bestand, konnte, wie auch die Leute desMohren erkannten 21 , ihre Wirkung nicht verfehlen. Schon hießes in Florenz, das Interdikt «ei bereits da, werde aber noch ver-heimlicht 22 . Der Frate setzte die Gebete und Prozessionen, die ermit seinen Brüdern seit Monaten im Gehege S. Marcos zu haltenpflegte, unter heißen Tränen fort 23 . Gern hätten die Frateschensolche Umzüge zur Verstärkung ihres Ansehens auch in der Stadtveranstaltet, wären sie daran nicht von ihren Gegnern verhindertworden 24 . Dagegen zog die ausgelassene Jugend mit brennendenKerzenstumpen in den Gassen umher.Ich suche das Schlüssel-chen, das der Frate verloren hat", erklärten sie; oder sie zwangen