ABSAGE AN DEN PAPST 4g5
käme, und baten flehentlich, doch ja nichts zu versäumen, um soschweren Verlusten zu steuern.
Die Signorie ließ den Frate noch am Sonntage, 17. März, abendsersuchen, nicht mehr zu predigen. Dieser erwiderte dem Boten:„Vollführt Ihr den Auftrag Eurer Herren?" „Ja." „Auch ich habenieinen Herrn, und ich will vernehmen, was er gebietet und mor-gen früh werde ich Euch die Antwort geben 134 ." Sie konnte nichtzweifelhaft sein; denn schon am 14. März hatte er seine Bereit-willigkeit zur Beendigung der Predigt erklärt 135 . Am Sonntage,18. März, stand er das letztemal auf der Kanzel. „Jetzt," erklärteer seinen Hörern 136 , „da alle kirchlichen Gewalten versagen, bleibtmir nichts übrig, als zu Christus zu flüchten, in dem sie alle ihrenUrsprung und ihr letztes Ziel haben, und zu ihm zu sprechen: ,Dubist nunmehr mein Oberer, du bist mein Pfarrer, du bist meinBischof, du bist mein Papst 137 .' Ich schmälere die Kirchengewaltnicht, sondern stärke, verteidige und erhöhe sie. Wenn sie aberdie Kirche verwüstet, wenn sie Huren, Lustbuben und Räuber be-schützt, die Guten dagegen verfolgt und das christliche Leben zer-rüttet, dann ist sie keine Kirchengewalt, sondern eine Teufels-gewalt, der man Widerstand nicht bloß leisten darf, sondern muß.Ich bin der Gesandte eines höheren Herrn und muß als solcherkühn und hochgemut auftreten. Ihr sprecht: ,0 Vater, wir stießenuns ein wenig daran, daß du die Predigt, wenn sie doch GottesWerk ist, von Menschen abhängig machst'. Vorerst ist es GottesWille, daß ich die Predigt einstelle. Ist es Gottes Wille, daß ichsie wieder aufnehme, so kehre ich sofort wieder."
Auf Grund seiner bisherigen Erfahrungen gab der Frate nun-mehr die Hoffnung auf eine Verständigung endgültig auf und ließdem rücksichtslosen Kampfe, den er in den letzten Wochen gegenden Heiligen Stuhl geführt hatte, die offene und ehrliche Absagefolgen 138 . Nachdem er, schrieb er am 13. März (?) an den Papst 139 ,gesehen habe, wie Hirten der "Kirche durch ihre unlautere Lehre,durch ihr schlechtes Beispiel und Lasterleben die ihrer Sorge an-vertrauten Schafe in Irrtum und Hölle stürzten, habe er es für seinePflicht erachtet, die Wahrheit des katholischen Glaubens zu ver-teidigen und die verkommenen Sitten zur christlichen Zucht zu-rückzuführen. In diesem Werke Gegenstand heftiger Verfolgunggeworden, habe er an dem Papste einen Hort und Beschützer zufinden geglaubt, gewahre nun aber im Gegenteil, daß dieser alle