VERHERRLICHUNG DES FRATE 493
den Opfern, die er für sie gebracht, wurde von den Rednern höch-stes Lob gezollt, immer wieder ward anerkannt, daß es die größteUndankbarkeit wäre, die Gottes Zorn über die Stadt herausfordernmüßte, wenn man ihn jetzt fallen lassen wollte. Als ein Heiligerward er von verschiedenen gerühmt; als Diener Gottes, als ehr-würdiger Ordensmann, dessen Worte aus göttlicher Eingebungfließen, und der wie um seiner Frömmigkeit, so um seiner Gelehr-samkeit willen in der Kirche seinesgleichen nicht hat, bildet ereinen kostbaren Schatz für die Stadt, ganz Italien besitzt keinenzweiten. Man muß sich, erklärte ein Sprecher, den Mund aus-spülen, ehe man seinen Namen nennt; man muß ihn ehren undverehren als einen Mann, wie es seit zwei Jahrhunderten keinenmehr gab, mahnte ein anderer. Sein Kloster ist eine Schule derFrömmigkeit und so voll von Heiligkeit, daß es sich mit denKlöstern der alten Kirche messen kann. Selbst der Papst rühmtseinen Wandel und seine Lehre. Die Kirchenstrafen sind teils vonböswilligen Bürgern angestiftet, teils das Werk der feindlichenitalienischen Mächte und zielen nicht so fast auf den Frate als aufdie Stadt selbst ab, die durch innere Zwietracht geschwächt undins Verderben gestürzt werden soll; nur weil er die Pläne anderer - ; /*rj.
durchkreuzt, wird er vom Papste verfolgt. Gibt man diesem abernunmehr nach, so wird er bald noch keckere Forderungen stellen.Ohnehin sind die Hoffnungen, die man auf ihn setzt, trügerisch;er kann Pisa ja doch nicht zurückgeben, das Venedig und Mailandin Händen haben.
Natürlich hielten auch die Arrabbiaten mit ihren Beschwerdenund Anträgen nicht zurück 125 . Einer ihrer Redner warf dem Fratevor, daß er die Rechtmäßigkeit des Papstes bestreite und Dingegegen ihn vorbringe, die man keinem Koche sagen würde; fernerdaß er eine ketzerische Sekte von Fratizellen bilde, wie sie schonfrüher in Florenz bestand. Der Vorschlag des Redners und seinerGesinnungsgenossen ging dahin, dem Frate die Predigt zu unter-sagen und den Verkehr mit der Außenwelt abzusperren. Dochbegnügten sich die meisten mit zeitweiliger Einstellung der Pre-digt, um die zur Gewinnung Pisas so nötige Hilfe der Liga unddes Papstes nicht zu verscherzen und namentlich, um dem für denflorentinischen Handel so schädlichen Interdikte zu entgehen. Denn,hieß es, im Falle des Interdikts, könnten die florentinischen Kauf-leute mit ihren Niederlassungen in allen Teilen Italiens, ja der