DER PAPST FORDERT AUSLIEFERUNG DES FRATE 491
nachher noch mit, der Heilige Vater habe sich in der schärfstenWeise geäußert, und es werde, wie es auch die einhellige Über-zeugung aller Kardinäle und Prälaten sei, ganz gewiß zum Äußer-sten kommen, wenn der Frate und die Stadt nicht nachgebe; beugesich jener aber und suche er um Lossprechung nach, so stehe seinerPredigt nichts mehr im Wege. Taberna fügte noch bei, PeterMedici benütze die Lage, um den Papst gegen die Stadt einzuneh-men, und noch mehr lasse sich dies der venetianische Gesandteangelegen sein. Alexander VI. stand sogar wirklich schon imBegriffe, Ernst mit dem Interdikte zu machen und ließ sich hier-von nur mit Mühe durch die Bischöfe von Gapaccio und Parmaabbringen 115 . Im ersten Zorne über den ungenügenden Bescheidder Signorie ordnete er die Ausfertigung eines geharnischtenBreves 118 an, in dem er sich über den halsstarrigen Ungehorsamdes Frate aufs bitterste beschwerte und versicherte, nach demVorbilde des Erlösers zwar persönliche Schmähungen geduldigertragen, unter keinen Umständen aber eine Schmälerung derWürde des Heiligen Stuhles zulassen zu wollen und daher darauf be-stehen zu müssen, daß die Stadt den ihr im Breve vom 26. Februarerteilten Befehlen nachkomme und das ewige Vorurteil ablege, alsberuhten diese auf den falschen Einflüsterungen fremder Per-sonen. Demütige sich der Frate, so solle er die Predigterlaubniswieder erhalten und auch die Stadt solle im Falle ihres Gehorsamsdie Gnade des Papstes zu ihrem Vorteile innewerden. Ein anderes,in der Form etwas gemäßigteres, inhaltlich nicht weniger ent-schiedenes Breve vom 9. März, das auf Betreiben des KardinalsAskanio erlassen wurde 117 , führte ebenfalls lebhafte Klage dar-über 118 , daß die Stadt dem päpstlichen Befehle nicht entsprochenhabe. Die segensreiche Tätigkeit des Frate in allen Ehren; daß eraber in seiner Verstocktheit und Selbstüberhebung die Gültigkeitdes Bannes mit eitlen Gründen zu bestreiten und sogar zu behaup-ten wage, er ziehe die ewige Verdammung der Bitte um Los-sprechung vor, das sei ganz unerträglich, und ebenso befremdlichsei es, daß die Stadt müßig zugesehen habe, wie solches Gift garnoch durch den Druck verbreitet werde. Noch immer sei derPapst dem Frate väterlich gewogen; doch dürfe dieser nicht wäh-nen, von der Schlüsselgewalt des heiligen Petrus als einziger aus-genommen zu sein. Es bleibe also dabei, daß der Frate entwederunter gutem Gewahrsam nach Rom verbracht oder in seinem