PREIS DES FRATE 48g
schrieb die Signorie 105 noch am selben 3. März an Alexander VI.In beinahe überschwänglichen Worten pries sie die Tugendenund Verdienste des Frate, überzeugt, den Papst hierdurch erstrecht zu reizen und zu scharfen Maßregeln gegen die Stadt undden Frate fortzureißen, eben hierdurch aber auch selbst die Möglichkeit zu einem kräftigen Einschreiten gegen diesen und seinenAnhang zu erlangen, ohne sich den Vorwurf persönlicher oderparteipolitischer Gehässigkeit zuzuziehen 106 . Um so mehr durftedie Signorie mit dem Zorne des Papstes rechnen, als die Frateschendie Predigt nicht nur in S. Marco durch den Frate selbst, sondernauch in anderen Kirchen durch seine Schüler fortsetzen ließen; sosprach Mariano Ughi im Dome, während Dominikus von Pesciazuerst in S. Lorenz und, von hier vertrieben, in der kleinen KircheS. Nikolaus in der Cocomerogasse für die Frauen predigte, die,wie schon bemerkt, in S. Marco nicht mehr zugelassen werdenkonnten, und hier nur an den Samstagen den Frate selbst hörendurften 107 . Eben die Schüler zogen nun aber noch heftiger alsihr Meister selbst gegen den Papst los, dessen Rechtmäßigkeit sieoffen mit der Erklärung bestritten, er sei gar kein Chri st, sondernMarrane, könne daher auch keinerlei Rücksicht beanspruchen 108 .Stellte schon das Schreiben der Signorie an den Papst vom 3. Märzeine förmliche Apologie des Propheten dar, so nahmen ihn dieZehn wo möglich noch entschiedener in Schutz 109 ; da er seinePredigt keineswegs aus Mißachtung des Heiligen Stuhles, sondernaus Seeleneifer wieder aufgenommen und inzwischen eben imHinblicke auf den Heiligen Stuhl nach S. Marco verlegt habe, sowerde sich dieser nunmehr gewiß wieder beruhigen. Von derErwägung geleitet, das Breve vom 26. Februar sei nicht zuletztdas Werk des Mohren gewesen, beauftragten die Zehn ihrenmailändischen Gesandten Franz Pepi 110 , den Herzog, wie den Kar-dinal Askanio zugunsten des Frate umzustimmen und ihre Für-sprache für ihn beim Papste zu erwirken. Der Papst, schriebensie, gebe vor, der Frate habe sich durch Nichteintritt in eine Kon-gregation eine Kirchenstrafe zugezogen; offenbar sei er von Leuten,denen es lediglich um Herbeiführung eines Umsturzes in der Stadtzu tun sei, falsch unterrichtet worden und den Ränken der Gegnerzu leicht erlegen. Der Frate habe jedenfalls nicht aus Gering-schätzung des Heiligen Stuhles gehandelt und glaube nicht ineine Strafe verwickelt zu sein, wie er mit triftigsten Gründen dar-