488 DIE PREDIGTEN ÜBER EXODUS
anderen die Köpfe abschlagen, und dich und dich und dich derHabe berauben 06 ". Er schalt die Exkommunikationen und Breven,die sich wider den Besuch seiner Predigten richteten, Exkommu-nikationen und Breven des Teufels 97 . „Die Kirchengewalt, rief eraus, ruht gegenwärtig in einem schlechten Inhaber 98 . Heute findetman es im Klerus nicht mehr für nötig, von Neffen zu reden,heute spricht man offen von Söhnen und Töchtern. In S. Petergehen die Huren ein und aus, jeder Priester hat seine Kebse, mansündigt vor aller Welt 99 . Hast du schon ihre Breven gesehen?Wenn du jene schönen Bullen Bonifaz' VIII. , der ein so schlechterPapst war, betrachtest, so siehst du, wie sie am Anfange vollschöner Worte sind, am Ende folgt dann das Gift. Wenn du dirihre Breven ansiehst, die gerne mit den Worten beginnen: „Wirsind gesetzt, die heilige Kirche zu verteidigen," so ist es zumStaunen, wie sie so sprechen können, während sie doch eine soschlimme Absicht haben und ihre Schlechtigkeiten so öffentlichbekannt sind. Was willst du denn mit deinen Breven? Du willstja doch nur die Kirche vergiften 100 . Der Bruder Jakopone 101 gingeinst an den Hof Bonifaz VIII., um zu predigen. Als er nun imKonsistorium auf der Kanzel stand, drehte er sich einigemaleumher und sprach: „Ich wundere mich, ich wundere mich, daßsich die Erde nicht auftut und euch alle miteinander verschlingt.Behüt euch Gott!" Sprach es und ging ohne ein weiteres Wortdavon. Ist es nun heutzutage nicht ein noch größeres Wunder? 102Aber schon nahen die Heiligen des Himmels in Heeresscharen, umdie Frevler und Kirchenschänder zu züchtigen. Der heilige Petrusspricht: nach Born, nach Rom, und so der heilige Paulus, derheilige Gregor der Große und die anderen heiligen Päpste. Siealle ziehen nach Rom mit Schwert, Pest und Teuerung 103 ."
Solange die Piagnonen noch eine so erhebliche Macht besaßen,war an eine Abschließung des Frate, wie sie das Breve vom26. Februar gebot, oder gar an seine Auslieferung nach Rom nichtzu denken. In der Sitzung vom 3. März, in welcher der Rat derAchtzig über die Antwort beriet, die dem Heiligen Vater auf seinBreve zu geben sei, herrschte durchweg die Meinung vor 104 , derPapst sei schlecht unterrichtet und kenne die segensreiche Wirk-samkeit des Frate nicht, der ein Heiliger sei; wie die Briefe aus1 Mailand verrieten, sei es nicht die Predigt des Frate, was die Hal-tung des Papstes bestimme, sondern die Politik. In diesem Sinne