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1 (1924) Das Leben
Entstehung
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DER PAPST IST FÜR RÜCKGABE PISAS 485

Alexander VI. wußte sehr wohl, warum er mit Bonsi so sanfteTöne anschlug. Er durfte die Bürger, von welchen er die Aus-lieferung des Frate verlangte, nicht kopfscheu machen; er suchtesie und den Frate in Sicherheit zu wiegen, um sein Ziel zu er-reichen. Neuerdings trat mit immer größerer Bestimmtheit dasGerücht auf, Karl VIII. bereite trotz seiner epileptischen Zuständeein starkes Heer zum Zuge gegen Italien vor. Wie KardinalAskanio seinem Bruder berichtete 84 , wiederholte der Papst den Ge-sandten der Liga seine frühere Erklärung, das beste Mittel zurAbwehr sei ein fester Zusammenschluß aller italienischen Mächtemit Einschluß der Florentiner, denen man daher Pisa einräumenmüsse, ohne ihnen zu harte Bedingungen aufzuerlegen. Der vene-tianische Botschafter widersetzte sich jedoch einem solchen An-sinnen wiederum mit der Begründung, auf die Florentiner sei keinVerlaß, sie seien nun einmal eingefleischte Franzosen," deren Ge-sinnung gegen Liga und Papst deutlich genug aus den Schmäh-predigten des Frate erhelle, in welchen der Papst mit ihremWissen und Willen als altes Eisen bezeichnet werde. Alexander VI.beharrte jedoch auf seinem Vorschlage und forderte die Vene-tianer auf, in die Rückgabe Pisas einzuwilligen und sich einMuster an ihm zu nehmen, der die ihm von einem armseligenMönche (fraticello) zugefügten Beleidigungen trotz ihrer Billigungdurch das florentinische Volk hinter dem Gemeinwohle zurück-treten lasse. Dem Gemeinwohle zuliebe verzichte er auf die Rachean dem Mörder seines Sohnes, obschon er den Schuldigen mitNamen nennen könnte, wie nicht minder auf eine Bestrafung desPräfekten 85 , der ihn doch ins Herz mit der Verleumdung getroffenhabe, als unterhalte er ein geheimes Einverständnis mit denTürken. Und wie der Papst, so war der Kardinal Askanio derAnschauung, man möge den Florentinern zum Schutze gegen denKönig weitest entgegenkommen; er bat seinen Bruder zugleich,auch den Papst in guter Stimmung zu erhalten und daher seinMöglichstes aufzubieten, daß der Frate seine Predigt einstelle.Denn sonst sei die Verhängung des Interdikts unausbleiblich, dieohnehin längst erfolgt wäre, wenn nicht er, der Kardinal, denPapst noch in letzter Stunde davon abgebracht hätte.

Eine Berücksichtigung der päpstlichen Forderung durfte mansich nun aber um so zuversichtlicher versprechen, als in Florenzdurch die Signorenwahl Ende Februar eine wesentliche Verschie-