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1 (1924) Das Leben
Entstehung
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MARIANUS HETZPREDIGT 483

gönnen, die mit den heftigsten Ausfällen gegen den Frate ge-spickt waren 80 . Vom Papste mit dem Auftrage beehrt, die Be-hauptung, jeder, der an der Gültigkeit des Bannes festhalte, seiein Ketzer, zu widerlegen, hielt Marian in Gegenwart der Kardi-näle Franz Piccolomini von Siena, Sangiorgio, Peter Gundisalvvon Toledo, Bernhard Carvajal, Farnese, Medici und JohannVilliers von S. Dionys sowie einer zahlreichen Zuhörerschafteine Predigt, in welcher er gegen den Frate mit einer Leiden-schaftlichkeit loszog, welche die Hörer nur abstieß. Er nannteihn einen jüdischen Wucherer (ebreone), einen Dieb, einen schuf-tigen Gauner (scelerato ribaldone) und warf ihm vor, daß er einekurze Kutte trage und Armut predige, aber die Taschen vollerDukaten habe.Glaube mir," rief er aus,denn ich weiß es. Niewirst du einen Mönch kennenlernen als an der Hand eines an-deren Mönches, denn wir haben mehr Häute als eine Zwiebel.Wenn du einen Mönch durchschauen willst, so mußt du bei einemanderen Mönch in die Schule gehen!" Darüber ließ er sich nochdes weiteren aus, ja er schämte sich nicht, zu erklären, er pisseauf den Papst Alexander, der sich nicht auch wie SavonarolaDenkmünzen zu seiner Verherrlichung anfertigen lasse. Er be-schuldigte diesen, daß er sich Gott selbst, den Aposteln und demPapste mit der Behauptung gleichstelle, falls seine Predigt trüge,so müßte der Glaube darunter Schaden leiden; und doch predigeer im Lichte des Teufels, wenn er die Frechheit besitze, den Papstaltes Eisen zu nennen.O Papst, o Kardinäle," schrie er,wiekönnt ihr ein solches Ungeheuer, eine solche Hydra ertragen? Istes so weit mit der Gewalt der Kirche gekommen, daß ein Trunken-bold auf ihr herumtrampeln darf? Es sind nun zwei Jahre, dakamen viele Florentiner zu mir und fragten mich um meine Mei-nung, ob sie wohl Rom verlassen sollten, da der Frate verkündethabe, im Mai werde hier alles drunter und drüber gehen, er habedas Feuer gesehen, und doch fiel nicht ein Kamin ein." Unddann fuhr er zu schreien fort:Du wirst selbst verbrannt werden,du Erzlump. Weißt du, wann du deine Gesichte schaust? Wenndu von gutem Trebbianer besoffen bist. Du siehst, ich weiß alles.Und dann gibst du dich für den heiligsten Propheten ausl Unddoch werden deine Kinder die ersten sein, den Scheiterhaufen mitihren Fackeln anzuzünden, wenn du verbrannt wirst. Auf waswartet ihr noch? O Kardinäle, o Papst, seht euch vor, ihr wißt

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