UNGÜLTIGKEIT DES BANNES 477
denn, daß alle gestehen, dieser Bann gelte nicht vor Gott, währendsie Bedenken gegenüber der Kirche haben? Mir genügt es, daßmich Christus nicht bindet, und daß er mich segnet. 0 meinHerr und Gott, ich wende mich an dich und sage dir: wenn ichmich je von diesem Banne lossprechen lasse, so stürze mich in dieHölle! Ich würde es für eine schwere Sünde halten, wenn ich (_' /mich lossprechen ließe. ,Ja, aber Frate, es gibt auch Priester, dieuns nicht lossprechen wollen.' ,Soll ich euch sagen, was ihr zutun habt, um losgesprochen zu werden? Schmiert sie mit Geldab! Und wenn ihr euer ganzes Land heilen wollt, so jagt siedavon!' ,Übrigens, ihr Priester, saget mir doch: im Jahre 1478sprächet ihr los 51 , laset ihr die Messe und die kirchlichen Tages-zeiten — warum nicht auch heute? Ich habe keinen Erzbischofumgebracht und keine Priester getötet 52 '. ,Ja, Frate, hätte mandenn jene Exkommunikation damals beobachten sollen?' ,Ichwill darüber nicht streiten, glaube aber nicht. Meinst du dennaber, die Exkommunikation sei ein Mantel für alle Schlechtig-keit?' ,Ja, Frate, du behauptest wohl, die Exkommunikationgelte nicht, aber ich glaube dir nicht, denn du hast kein Wundergewirkt; ich meinte, wenn der Bann komme, dann würdest duernst machen.' ,Der Bann ist noch nicht voll verhängt 53 . Aber ^-»»v^ Sfls^Xwenn du Augen hast, könntest du doch schon viel Zeichen .ge-wahren. Sahst du denn nicht, wem in Rom der Sohn starb 51 ?Sahst du denn nicht, wer hier sein Leben verlor 55 ? Ich könnte dirsogar sagen, wer in der Hölle ist 56 .' ,0 Frate, ich erwartete, duziehest den Schlüssel heraus' (la chiavetta). ,Die Stunde hatnoch nicht geschlagen. Bisher hast du mich noch nicht zumWunder gezwungen. Sobald ich dazu genötigt bin, wird Gottseine Hand ausstrecken, wie es seine Ehre erfordert. Aber umdie Wahrheit zu sagen, brauchst du kein Wunder. Du hast wahr-lich Zeichen genug, du darfst nur an die Ankunft des Kaisers unddeines Widersachers 57 denken, in welcher Gefahr du damalsschwebtest. Die Hauptsache ist, daß meine Predigt ein frommesLeben bewirkt, sie muß also doch von Gott sein. Wie viel ist fürsie gebetet worden, wie heiß wird noch immer gebetet, Gott mögedie Wahrheit ans Licht bringen! Ließe Gott all diese Beter imDunkeln tappen, so läge ihm nichts an den menschlichen Dingen.Eine Lehre, die in den Verfolgungen wächst, ihre Anhänger imGuten befestigt, im Einklänge mit Philosophie, Theologie, mit dem
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