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DIE PREDIGTEN ÜBER EXODUS
sterben, als wider die Liebe verstoßen wollen. Wenn nun jemandden Wolf kommen sieht, und er beschützt die Schäflein und wirddafür exkommuniziert, kann eine solche Exkommunikation gül-tig sein? Oder meint ihr etwa, ich werde fliehen? Der guteHirte flieht nicht, sondern läßt sein Leben für seine Schafe. Dusprichst wohl: /Tritt in die bewußte Kongregation ein!' Ich abersage dir: ,Niemals werde ich es tun. Ich will nicht, daß meine Söhneein leichteres Leben führen, denn das wäre wider die Recht-schaffenheit und wider die Liebe — lieber will ich tausendmalsterben. Und sind denn nicht auch diese Jünglinge, diese Frauen,diese Männer meine geistigen Kinder?' Du sagst ferner wohl,ich solle nach Rom gehen. Ich soll sie dann also in der Handder Spieler, der Sodomiten, der Wollust und jedes Lasters zurück-lassen? Das ist wider die Liebe. Du verlangst von mir, ich solledie Predigt lassen. Auch das werde ich niemals tun, denn esverstößt wider die Liebe. Siehst du denn nicht, wie die Ein-stellung der Predigt sofort eine Minderung des frommen Lebensund eine Steigerung des Lasters nach sich zog? Du sagst endlich,ich solle diesen Bann halten. Ich werde ihn nicht halten, denner verstößt wider die Liebe und gilt deshalb nicht. ,Aber wo-her weißt du denn, daß der Bann nicht gilt?' ,Das weiß ich, weilGott es mir sagte. Christus will lieber mit uns Verfluchten alsmit euch Gesegneten sein.' ,Aber, Frate, hüte dich wohl, auchviele Rechtschaffenen"sind wider dich.' ,Es sind nicht alle recht-schaffen, die es scheinen. Sieh dir doch einmal die Leute an,die wider uns sind, von Rom angefangen bis hierher! Sind esnicht lauter Gottlose, entweder ganze oder halbe Teufel? Undnun kehre dich um und betrachte dir die Gläubigen auf unsererSeite, ihren frommen Wandel und ihren häufigen Sakraments-empfang, und die Wahl wird dir nicht schwer fallen, wohin dugehören willst!' Von durchaus glaubwürdiger Seite ließ man mirsagen: als jemand in Rom mit einem großen Herrn, ja mit demgrößten, den es dort gibt, sprach, bemerkte dieser: ,Um die Wahr-heit zu gestehen, fiel es mir auf, daß alle jene, die mir gegenüberwider den Frate waren, Florentiner wie andere, durchweg laster-hafte, seine Verteidiger dagegen ehrbare Männer sind.' Da siehstdu nun selbst, wie die Sache steht. Und so sage ich denn — hörees, Rom! höre es, Italien! höre es, christliches Volk! — wer diesemWerke widerspricht, der widerspricht Christus. Wie kommt es