WEIHNACHTSFEIER IN S. MARCO 4 7 i
wer sich ihm widersetze, sei es einer der hohen Herren, derMönche oder Signoren, dem werde die Zunge aus dem Mundegerissen und den Hunden vorgeworfen, wie er, der Karmelit, ausgöttlicher Eingebung wisse 27 . Einem Lauffeuer gleich verbreitetesich die Kunde, der Frate habe in einer Ansprache an seine Brü-der und befreundete Laien alle seine bisherigen Verheißungenbekräftigt und versichert, die Frau sei schon schwanger und dieStunde ihrer Niederkunft nahe 28 . Am ersten Adventsonntagemahnte er seine Getreuen, die Adventzeit zu fleißigem Gebete zubenützen, auf daß Gott, wenn sich die Menschen natürlichenGründen verhärteten, die Wahrheit seiner Predigt durch Wunderbekräftige 29 . Er betete auch selbst und ließ seine Brüder beten, ■als gälte es, den Himmel zu stürmen. Mehrmals lagen sie siebenStunden hindurch vor dem Allerheiligsten, um den Erlöser an-zuflehen, die Trübsal zu beschleunigen, und doch verging ihnen,wie einer aus ihrer Mitte selbst beteuerte 30 , die Zeit so rasch, alswäre es nur^eine halbe Stunde gewesen, wie auch niemals solcherFriede, solche Eintracht, solche herzliche Liebe, solche. Zufrie-denheit unter ihnen herrschte als damals, trotz des päpstlichenBannes. Mit unverdrossenem Eifer oblagen sie den feierlichenUmzügen im Kloster, an welchem sich auch Laien beiderlei Ge-schlechts beteiligten. Brennende Kerzen und rote Kreuzchen inHänden, durchwandelte man unter Psalmensang die Hallen desKlosters. An vier Stellen machte man halt; an der ersten beteteman um die Bekehrung der Ungläubigen, an der zweiten umdie Erneuerung der Kirche, an der dritten für die Kongregationvon S. Marco, an der vierten für die ganze Stadt 31 . Und schon
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beschränkte er sich mit seinen priesterlichen Verrichtungen nichtmehr bloß auf die Bäume des Klosters. Am heiligen Weihnachts-feste feierte er in der Kirche S. Marco in voller Öffentlichkeit dieüblichen drei Ämter und spendete allen seinen Mönchen sowieeiner großen Menge von Gläubigen beiderlei Geschlechts die hei-lige Kommunion 32 . Nach dem dritten Amte ließ er zwei jungeMönche als Engel gekleidet mit brennenden Kerzen rechts undlinks eines Jesuskindes Stellung nehmen und die Weihnächts-antiphon „Puer natus est nobis" absingen. Nun kamen etwa 200Knaben in weißen Überhemden, hierauf seine Mönche in wei-ßen Ordenskleidern, ebenfalls mit brennenden Kerzen, sodanneine Fahne mit der Geburt Christi, endlich die sämtlichen Bürger,