4 ? o DIE PREDIGTEN ÜBER EXODUS
wieder Geld und verdarb sich hierdurch alle Sympathien. DieSladt stak in der schlimmsten wirtschaftlichen Lage und warnamentlich der unaufhörlichen Ausgaben höchst überdrüssig, dieder pisanische Krieg verschlang, ohne einen greifbaren Erfolg zuzeitigen 19 . Die Frateschen verfielen nun auf den unglücklichenAusweg, zur Bestreitung der unvermeidlichen Lasten eine Zwangs-anleihe beim Monte zu machen und diesem eine Deckung in derWeise zu verschaffen, daß sich 200 Bürger zur Bürgschaft für je200—500 Dukaten verpflichteten, widrigenfalls sie ins Gefängnisgeworfen wurden 20 . Dadurch riefen sie eine ungeheure Unzu-friedenheit und Mißstimmung hervor, die zu ihrer Niederlage beider nächsten Signoriewahl und infolge davon zu dem furchtbarenUmschwünge führte, der ihre Häupter und den Frate verschlang.Ein böses Vorzeichen war es schon, daß sie bei den Wahlen zumRate der Achtzig sowie zu den Handelsgerichten unterlagen 21 . Ver-geblich bemühten sie sich krampfhaft, zur Stärkung ihrer Reihendie römische Lossprechung für den Frate zu erwirken. In Domi-nikus Bonsi bestellten sie einen ihrer zuverlässigsten Männer zumGesandten beim Heiligen Stuhle mit dem besonderen Auftrage,zur Absolution des Frate sein Möglichstes zu tun 22 ; in Venedighieß es sogar, sie hätten ihm 16 000 Dukaten zur Bestechung desPapstes mit auf den Weg gegeben 23 . Außer dem Versprechen desKardinals von Perugia, sich beim Papste für den Frate zu ver-wenden, erreichte Bonsi jedoch nichts 24 . Als er die Sache beiAlexander VI. selbst zur Sprache brachte, richtete dieser sofort dieFrage an ihn, wie es denn mit dem Beitritte zur Liga im Falleder Rückgabe Pisas stünde, und bemerkte nur, die Lossprechungsei ein schwieriger Fall, da der Frate nach Ansicht vieler Kar-dinäle die den römischen Entscheidungen gebührende Rücksichtnicht genügend gewahrt habe. Die Florentiner möchten vorallem auf den Anschluß an die Liga bedacht sein, dann werde erihnen auch in Sachen des Frate möglichst entgegenkommen 25 .
Inzwischen hatten jedoch die Dinge in Florenz eine Wendunggenommen, die alle weiteren Verhandlungen mit Rom wegen desFrate als aussichtslos erscheinen ließ. Schon im September 1497hatten die jungen Leute die Signorie um Predigterlaubnis für denFrate und Wiederaufstellung ihrer seit Christi Himmelfahrt ab-gebrochenen Bänke im Dome gebeten 26 . Im Oktober hatte einKarmelit zugunsten des Frate, der ein heiliger Mann sei, gepredigt;