Druckschrift 
1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
463
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DIE WEISHEIT DES KREUZES 463

Als die vorzüglichste und verdienstlichste schriftstellerische Lei-stung des Frate ward stets das Werk betrachtet, auf das er auchselbst wiederholt mit Stolz verwies 83 , und das den Titel trug:V o nder Wahrheit des Glaubens an den Triumphdes Kreuzes des Herrn 81 ", oder kurz:Triumph desKreuze s". Es erschien zuerst lateinisch, wurde aber sofortauch italienisch ausgegeben, in einer etwas freien, umschreiben-den Übersetzung 85 , die Dominikus Benivieniin unaussprechlicherFreude" mit einer Vorrede versah. Hier forderte er das ganzeMenschengeschlecht zum Danke dafür auf, daß Gott sich gewür-digt habe, ihm durch seinen heiligen Propheten Hieronymus vonFerrara die künftigen Dinge zu offenbaren und die Wahrheit deschristlichen Glaubens in einer Weise darzutun, daß nun das Wortdes Propheten erfüllt sei:Das Volk, das in Finsternis wandelte,schaute ein helles Licht, den Bewohnern im Reiche des Schattensging die Sonne auf" (Is. 9, 2). Der Frate verfolgte imTriumphedes Kreuzes" den Zweck, dem Unglauben seiner Zeit die Berech-tigung des christlichens Glaubens zu erweisen 88 . Da er widerZweifler und Neuheiden auftrat, so stützte er sich nicht auf dieHeilige Schrift, die sie nicht kannten, noch auf die Lehre derKirche und heiligen Väter, die sie nicht gelten ließen, sondernlediglich auf unbestreitbare Vernunftwahrheiten und ihre Folge- , Mat^L*.rungen. Auf dem Wege nüchterner, streng logischer Beweisfüh-rung wollte er den Triumph der Philosophie des Kreuzes über die **'aufgeblasene Philosophie dieser Welt aufzeigen, nicht als ob sichder Glaube, ein unverdientes Gnadengeschenk Gottes, schlüssig er-gründen ließe, sondern um die Ungläubigen für den Empfang die-ser Gnade vorzubereiten, die Gläubigen aber in ihr immer mehr zubefestigen. Er entledigte sich seiner Aufgabe mit solcher Meister-schaft, daß sein Werk alseine der wichtigsten und glänzendstenapologetischen Leistungen aus der Renaissance- und Reforma-tionsperiode" bezeichnet werden konnte 87 . "War sein ganzes Wir- *t~*C$vlt4Knken dem unausgesetzten Streben gewidmet, an Stelle des alles über-wuchernden Heidentumes den wahren Geist des Christentumeswieder zu Ehren zu bringen und den Staat, die Gesellschaft, dieKunst, die Erziehung, die Kirche mit dem Feuer der Urkirche zuentflammen, so galt es ihm nunmehr, auch die heidnische Wissen-schaft auf ihrem eigenen Jjiebiete zu schlagen und sie als After-weisheit gegenüber der echten Weisheit des Kreuzes zu ent-