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ÜBER DIE WAHRHEIT DER PROPHETIE
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Sittenlehre und die Voraussagung der Kirchenreform. Die letztereläßt sich mit natürlichen Gründen weder beweisen noch wider-legen, und überdies würde sich, wer meine Prophetie mit derBehauptung bekämpfen wollte, die Reform werde nicht stattfinden,hierdurch ja ebenfalls zum Propheten stempeln und den Vorwurf,den er wider mich erhebt, auf sich selbst laden. Daß ich michaber gegen die Lehre der Kirche nicht verging, liegt auf der Hand.Meine Sache wird in Rom von den erfahrensten Männern geprüft,meine Gegner lauern mir auf Schritt und Tritt auf; hätte ich mirauch nur die geringste Blöße gegeben, längst wäre sie aufgedeckt.Wenn der Papst, obschon die Ungerechtigkeit der wider micherhobenen Beschuldigungen offen zutage liegt, diesen gleichwohlstattgab, so rührt das daher, daß die hohen Herren zwar reich anallem, doch arm an Wahrheit sind. Beruft man sich so gerneauf den Spruch des heiligen Gregor von der schlechthinigen Ver-bindlichkeit eines Hirtenspruches, so spielt die Schmeichelei ge-gen die Vornehmen hierbei eine hervorragende Rolle; überdiesstehen ihm andere Rechtssätze entgegen. Ich kann auch ver-sichern, daß ich keine Gewissensbisse wegen des Kirchenbannesempfand, denn der mir Künftiges offenbarte, belehrte mich auchüber seine Unverbindlichkeit. Ich habe ja auch seine Ungültig-keit öffentlich dargetan, und wenn sich sehr viele ausgezeichnete,mir befreundete Männer hierbei nicht beruhigten, so waren eseben keine wahren Freunde, die aus Menschenfurcht abfielen.Den Bann aber nur um der Vorsicht und Gewissensdemut willenbeobachten, als ob eine solche Beobachtung ja schließlich nichtsschaden könne, das wäre keine wahre, sondern eine Eselsdemut,die tatsächlich den größten Schaden anrichten, nämlich die bösenAbsichten der Gegner -verwirklichen würde. Einem ungerechtenGebote Folge leisten, hieße eine schwere Sünde begehen; gäbe ichdas Werk, das Gott mir aufgetragen, auf, so beginge ich einenunverzeihlichen Fehler, denn man muß Gott mehr gehorchen alsden Menschen. Übrigens war der Befehl bezüglich der tuszischenKongregation nur ein Vorwand; seine Nichtigkeit wies ich in einereigenen Schrift nach. Kurz, ich täusche weder mich selbst nochandere. Ihr nennt mich einen Betrüger: Lebet ehrbar, so werdetihr meinen Schlichen auf die Spur kommen. Der Teufel kannnicht erbauen, sondern nur zerstören."