456 DER HOCHVERRATSPROZESS
wer der Stärkere sei; er sei nur der Knecht und überlasse Gottdie Entscheidung, der werde handeln und niemand werde zuwiderstehen vermögen. Manfredi setzte seinen Herrn hiervon mitdem Bemerken in Kenntnis, er sei überzeugt, wenn dem Frate jeetwas zustoße, so werde dieser Maßregeln ergreifen, über die manin Rom wie anderwärts staunen werde. Und ähnlich wie Man-fredi gegenüber sprach sich der Frate in einem Briefe an seinenFreund Ludwig Pittorio aus. „Was meine Exkommunikation be-trifft," schrieb er 85 , „so würde ich es als eine weit ärgere Zensurerachten, mir die Lossprechung um Geld zu erkaufen. Ihr sehtalso, wie lügnerisch die Leute sind, die solche Märchen aus-streuen. Ich habe das Meinige getan, und der Papst scheint zurLossprechung geneigt, wenn ihn nicht ein mächtiger Widersacheraus persönlicher Feindschaft gegen mich davon zurückhielte."Die Bemerkung des Frate über die Lossprechung um Geld bezogsich wohl auf das obenerwähnte Gerücht, die Frateschen hättenden Kardinälen Geld angeboten. Es fehlte jedoch auch nicht anStimmen, kein Geringerer als der Kardinal Piccolomini, der nach-malige Pius III., habe sich zur Erwirkung der Absolution an-heischig gemacht, wenn der Frate 5000 Scudi bezahle 66 . In derÜberzeugung, der Papst, wenn auch von feindseligen Personen ge :gen ihn eingenommen, aber an sich doch wohlgesinnt, werde sicheiner gütlichen Vorstellung nicht unzugänglich erweisen, und in derAbsicht, dem Eindrucke zu wehren, als sei seine Weigerung einesEintrittes in die tuszische Kongregation der Ausfluß einer gegen-sätzlichen Gesinnung gegen ihn als Papst überhaupt, wandte sichder Frate neuerdings mit einem Schreiben an Alexander VI., indem er sich dazu herbeiließ, ihn nicht bloß nochmals seiner Er-gebenheit und Unterwürfigkeit zu versichern, sondern sogar förm-lich um Verzeihung zu bitten. „Wie ein Sohn," schrieb er am13. Oktober 1497 an ihn 67 , „der sich über den Zorn seines Vatersabhärmt, kein Mittel und keinen Weg unversucht läßt, um ihn zu; versöhnen, und trotz aller Abweisungen an seinem erprobten Va-terherzen nicht verzweifelt, da geschrieben steht: ,Bittet, und ihrwerdet empfangen; klopfet an, und es wird euch auf getan werden'(Matth. 7, 7), so gräme auch ich mich um den Verlust der GnadeEuerer Heiligkeit mehr als über sonst eine Einbuße und höre nichtauf, mich mit der flehentlichen Bitte zu Ihren Füßen zu flüchten,mein Ruf möge endlich Gehör in Ihrem Antlitze finden, und ich