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452 DER HOCHVERRATSPROZESS
sie daher gerne gerettet, mußte sie aber, da sie am schwersten be-lastet waren, ihrem Schicksale überlassen, wenn er nicht zugleichauch Bernhard del Nero, dem er den Untergang geschworen hatte,befreien wollte 30 . Peinliches Befremden erregte es vielfach 3 YdaßSavonarola zur Rettung der Verurteilten, unter welchen sich dochzwei seiner vornehmsten Anhänger befanden, nicht nur nichts tat,sondern sogar dem Bannerherrn Bartoli durch seine Mönche, wiees hieß, sagen ließ, Gott wolle, daß man Gerechtigkeit übe 32 . Erselbst erklärte später 33 , allerdings sei er damit einverstanden ge-wesen, daß die Beklagten zum Tode oder zur Verbannung ver-urteilt würden. In der Überzeugung jedoch, die Sache sei beiValori in besten Händen, habe er sich aller Einmischung ent-halten, und wenn er Valori auch eine Empfehlung für Torna-buoni zugehen ließ, so habe er dies doch in so matter Weise ge-tan, daß Valori unschwer erkennen konnte, es sei ihm in Wirk-lichkeit nichts daran gelegen. In der Tat konnte sich der Fratenicht wohl anders verhalten. Wieder und wieder hatte er auf derKanzel feierlich erklärt, jeder Versuch einer Einführung derTyrannei verdiene als größtes Verbrechen gegen das Volkswohlschwerste Strafe; und nun hätte er sich selbst untreu werdensollen, weil ein paar reiche Anhänger, die dies ohnehin nur zumSchein waren 34 , aus eigener Schuld in Gefahr schwebten? Hättenicht das ganze Volk an ihm irre werden müssen, wenn er einesolche Charakterlosigkeit an den Tag gelegt hätte? Ohnehin warer verdächtigt worden, er sei nicht bloß ein Parteigänger, sonderngeradezu der Vater und Leutnant des Tyrannen, der mit seinemWissen und Willen jüngst bis an die Tore der Stadt kam 35 . Imselben Sinne ließ sich die Bemerkung des Kardinals Caraffa aus-schlachten, der Kardinal Medici wie sein Bruder Peter habe sichlobend über den Frate geäußert 38 . Auch der Umstand konnteAnlaß zum Argwohn geben, daß sich die Bigi unlängst zu denFrateschen geschlagen hatten. Obschon nun vom Frate mannig-fache Fäden zu den Medici liefen, so wurde er irgendwelcherverdächtiger Beziehungen zu ihnen im Hochverratsprozesseselbst nicht geziehen, geschweige denn überführt. Wohl abeiward nachgewiesen, daß der Augustinergeneral Marian von Genna-zano, der kurz zuvor noch zugunsten der Liga und gegen denFrate in Florenz gepredigt hatte, sehr stark in die peinliche Ver-schwörungsgeschichte verwickelt war 37 . Der Mönch Seraphin vom