VALORIS SCHULD 453
Augustinerkloster S. Gallo zu Florenz hatte als Unterhändlerzwischen Peter und Pucci gedient 38 .
Nach dem Hochverratsprozesse war Franz Valori, vom Volkeals ein neuer Kato gegen Katilina gepriesen, der mächtigste Bür-ger der Stadt 30 , zumal da Peter Philipp Pandolfmi, sein Neben-buhler im Lager der Frateschen, aus Gram über diesen Gang derDinge gestorben war 40 . Und doch war seine Stellung in Wirk-lichkeit niemals so schwach wie eben jetzt, da sie am stärkstenschien. Namentlich wandten sich die Bigi, die sich soeben nochmit den Frateschen verbündet hatten, nunmehr von diesen ab;selbst die angesehensten Piagnonen, Männer wie P. A. Soderini,Peter Guicciardini, und J. B. Ridolfi, kehrten Valori grollend denRücken 41 . Dieser sollte es nach wenigen Monaten schon am eige-nen Leibe erfahren, wie kurzsichtig sein gehässiges Vorgehen ge-wesen war. An seinen Händen klebte das Blut der Hingerichte-ten, das laut zum Himmel um Rache schrie. Gebieterisch verlang-ten ihre Anverwandten und Freunde, man möge mit derselben un-nachsichtigen Strenge nun doch auch wider die Männer einschrei-ten, die durch ihre hochverräterischen Verbindungen mit demMohren der Stadt nicht weniger schadeten-und noch vor kurzemden Kaiser herbeigerufen hatten, ebenfalls zu keinem anderenZwecke, als um die gegenwärtige Verfassung zu stürzen, die Nerli,die Strozzi und ein Teil der Manelli, Martelli und Capponi. Manmöge doch auch die geheimen Einverständnisse und die Unter-schriften ahnden, deren sich Valori und seine Anhänger schuldiggemacht hatten 42 . Und wie die Angehörigen der Hingerichtetenden Augenblick kaum erwarten konnten, da sie ihre unbändigeWut an dem Urheber des Unglückes ihrer Familien auslassenkonnten, so knirschten die Arrabbiaten vor Ingrimm, sich nun-mehr unter das Joch der Frateschen gebeugt zu sehen, das sie beinächster Gelegenheit abzuwerfen entschlossen waren. Sie klag-ten, daß es mit der Stadt immer mehr bergab gehe und die wirt-schaftlichen Lasten immer unerträglicher würden 43 .
Zunächst freilich wurde die Stellung der Frateschen durch dieaußenpolitische Lage nur noch befestigt. Am 31. Oktober 1497lief der Waffenstillstand ab, den Karl VIII. mit der Liga geschlos-sen hatte 44 . Nun hatte er die Hände wieder frei und säumte nicht,seine florentinischen Freunde von seinem Entchlusse zu verstän-digen, nach Italien zurückzukehren und ihnen Pisa zurückzu-