DIE VERSCHWÖRER 451
wurde noch in derselben Nacht vollzogen. Einer nach dem an-dern wurde in den Hof des Palastes des Stadtkapitäns geführt,wo dichtes Stroh nachgestreut wurde, damit der folgende das Blutdes früheren nicht sehe. Zeugen des traurigen Schauspiels warennur wenige Bürger, denen die armen Sünder ihre Frau, ihreKinder oder ihre Seele empfahlen. Der letzte, der sein Hauptauf den Richtblock legte, war Bernhard del Nero, dem der Hen-ker einen Streich versetzte und das Kinn ganz zerhieb. Die Leich-name ließ man den Hinterbliebenen zur Beisetzung in den Fami-liengrüften überbringen 21 . Das Vorgehen wurde vom Volke alszu große Grausamkeit empfunden 22 , zumal da der Grad der Ver-schuldung doch nicht bei allen gleich war. Am wenigsten schienBernhard del Nero belastet, ein Greis von 72 Jahren, der ob seinerKlugheit und politischen Erfahrung auch im Kreise der Arrabbia-ten hoch geschätzt war. Das einzige, was ihm zur Last fiel, warsein stilles Einverständnis mit dem Anmärsche Peters vom28. April, von dem er wußte, ohne ihn anzuzeigen, wozu er geradein seiner damaligen Stellung als Bannerherr doppelt verpflichtetgewesen wäre. Daß ihm die Unterlassung den Kopf kostete, hatteer hauptsächlich seinem Gegner Franz Valori zu danken, der,um sich der unbestrittenen Herrschaft über die Stadt zu erfreuen,eben ihn beseitigt wissen wollte 23 . Johann Cambi hatte ehedemdie Bank der Medici in Pisa verwaltet, war aber durch den Ab-fall dieser Stadt und den Sturz seines früheren Herrn verarmt,so daß er das begreifliche Verlangen hegte, durch HerstellungPeters wieder in die Höhe zu kommen 24 . Giannozzo Pucci, ein36jähriger Mann von hoher Begabung und feiner Bildung, warmit Leib und Seele Peter ergeben, dem er von Jugend an befreun-det war und auf den er bei der Niedrigkeit seiner Abstammungund bei dem üblen Rufe seines Vaters all seine Hoffnung setzte 25 .Lorenz Tornabuoni, ein naher Verwandter Peters und erst32 Jahre alt, war zwar beim Volke allgemein beliebt, aber so ver-schuldet, daß er sich nur durch eine Staatsumwälzung wirt-schaftlich zu erheben vermochte 26 . Nikolaus Ridolfi war derSchwiegervater einer Schwester Peters, mit dessen Hilfe er künf-tig zu Macht und Würden zu gelangen hoffte 27 . Er sowie Bern-hard del Nero neigten den Arrabbiaten, Pucci und Tornabuoni da-gegen den Frateschen zu 28 , beide hatten soeben noch die Bitt-schrift zugunsten des Frate unterzeichnet 29 . Franz Valori hätte
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