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1 (1924) Das Leben
Entstehung
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445
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PAUL VON FUCECHIO 445

Paul tadelt Leonhards vermessene Beteuerung, das Licht derHölle sei dem geistigen Lichte des Frate vorzuziehen, wie er auchdie Behauptung, selbst der ungerecht Gebannte sei gültig gebannt,in dieser Allgemeinheit nicht gutheißen will. Er zeigt, es seikeineswegs eine Gotteslästerung, mit dem Frate zu sagen: wennich lüge, lügt Gott, sondern nur eine ganz besonders feierlicheBekräftigung der Wahrheit. Falsch ist auch Leonhards Satz, derPapst sei keinem Gerichte unterworfen, da ja doch das Konstan-zer Konzil Johann XXIII., Gregor XII. und Benedikt XIII. ab-gesetzt habe; war es hierzu nicht befugt, so waren Martin V. undseine Nachfolger keine rechtmäßigen Päpste. Ebenso haltlos istLeonhards Beschuldigung, der Frate greife die Kirche an, da erdoch nur die Gottlosen geiselt. Da Pauls „Antworten" lateinischgeschrieben und daher zur Massenverbreitung unter das Volknicht geeignet waren, so wurden sie vom florentinischen NotarePhilipp Ciorii ins Italienische übertragen, auf daß sich, wie derÜbersetzer im Begleitschreiben erklärte 62 , selbst einfältige Weib-lein und Kinder zu überzeugen vermöchten, wie fadenscheinig dieGründe seien, mit welchen die Gegner, diese haß- und neiderfüll-ten Glieder des Satans, die Lehre des Frate, das Licht und dieLeuchte unserer Zeit, zu bekämpfen, ja der Ketzerei zu bezich-tigen trachten. In einem Nachworte fordert Cioni die Gegnernoch eigens in eindringlichen Worten auf, ihren Neid und Stolzabzulegen, um einsehen zu können, der Frate sei nicht, wie sieihn schmähen, ein teuflischer Ketzer, sondern im Gegenteile dieVerkörperung des christlichen Glaubens.

Dem Orden des heiligen Franz entstammte auch der Verfas-ser einer der wertvollsten Schriften, die zur Verteidigung desFrate geschrieben wurden, der Bosnier Georg Dr achisich 63 , ge-nannt Benigni. Gelegentlich eines kriegerischen Überfalls seinerHeimal: durch die Türken in früher Jugend nach Bagusa ver-schleppt, war er hier ins Kloster eingetreten und in die humani-stische Wissenschaft eingeführt worden. Bald kam er nachItalien, ward mit dem Kardinale Bessarion bekannt und nachFlorenz empfohlen, wo er sich der Gunst Lorenzos de' Medici er-freute, von dem er nicht bloß als einer der ersten Philosophenund Theologen der damaligen Zeit geschätzt, sondern auch zumLehrer seiner Söhne Peter und Johann, des nachmaligen Leo X.,bestellt wurde 64 . Während seines florentinischen Aufenthaltes war