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1 (1924) Das Leben
Entstehung
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444
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444 DIE FLUGSCHRIFTEN

hin verkündete Bann enthält also einen unerträglichen Irrtumund entbehrt daher jeder Verbindlichkeit. Machte sich der Fratenun aber durch Nichtbeachtung des .an ihn ergangenen Vereini-gungsbefehles einer schweren Sünde nicht schuldig, so konnte voneiner böswilligen Verstocktheit bei ihm erst recht nicht die Redesein, und dies um so weniger, als er den Papst sowohl wie dieÖffentlichkeit über die UnStatthaftigkeit des ihm erteilten Auf-trages aufklärte und hiermit der Forderung des kirchlichen Rech-tes entsprach, daß ein Untergebener, wenn er das Gebot seinesOberen nicht zu erfüllen vermöge, diesem den Grund hiervonschriftlich darzulegen habe 60 . Ermangelt aber das päpstliche Ge-bot und infolgedessen der Bann aller Gültigkeit, so bedarf es, wokeine Fessel ist, auch keiner Lösung, und ebensowenig brauchtman den Verkehr mit dem Frate und seinen Mitbrüdern einzu-stellen aus Furcht, hierdurch mit der Exkommunikation ange-steckt zu werden. Schließlich spricht der Verfasser die zuver-sichtliche Erwartung aus, daß sich alle, die seine Apologie lesen,von der Unschuld des Propheten überzeugen, dessen Predigt zu-dem nicht bloß Dominikus Benivieni, ein so gelehrter und unbe-scholtener Mann, in verschiedenen Schriften, sondern auch dievielen und großen. Wunder verherrlichen, die nach dem Berichteder glaubwürdigsten Männer von ihm gewirkt wurden. Jeden-falls steht fest, daß sich seine Lehre mit der Christi vollständigdeckt, nur daß sie mehr der Gegenwart angepaßt ist. Wie einstrahlendes Licht leuchtet sie in einer Welt, in der das Lasteram Ruder, die Tugend verschwunden, die Liebe erkaltet, dieHoffnung erloschen, der Glaube erlahmt ist, und es wäre Wahn-witz, ihr die Augen verschließen zu wollen.

Noch größeren Eindruck als die warme Verteidigung begei-sterter Frateschen mußte das unverdächtige Zeugnis hervorrufen,das selbst Angehörige von Orden, die, wie die Franziskaner, seineentschiedensten Gegner waren, zugunsten des Frate ausstellten.So nahm ihn der Minorit und Professor der Theologie Paul vonFucechio gegen die Streitsätze P. Leonhards kräftigst in Schutz.In denAntworten 61 ", mit welchen er die Vorwürfe des Augu-stiners abfertigte, pries er den Frate als einen unschuldigen, got-tesfürchtigen, heiligen Mann, als einen ausgezeichneten Seelen-hirten, als einen erleuchteten, wundervollen Herold Christi, der eswahrlich nicht verdiene, als Ketzer gebrandmarkt zu werden.