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1 (1924) Das Leben
Entstehung
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DIE FLUGSCHRIFTEN

Drachisich auch auf die Predigt Savonarolas aufmerksam gewor-den, die er anfangs nicht ernst nahm, allmählich aber aufrichtigbewunderte. Nach dem Sturze der mediceischen Herrschaft nachRagusa zurückgekehrt, wirkte er hier im Sinne des Frate und ver-faßte zu seiner Verteidigung eine seinem florentinischen FreundeHubertin Risaliti 65 gewidmete SchriftProphetische Lösungen 66 ",die am 8. April 1497 zu Florenz die Druckerei verließ und imfolgenden Jahre zu Nürnberg von Hartmann Schedel abgeschrie-ben wurde. Trotz des schmählichen Endes des Propheten wurdeBenigni an ihm nicht irre. Im Jahre 1507 zum Bischöfe vonCagli, 1513 zum Erzbischofe von Nazareth erhoben, wohnte erdem V. Laterankonzile unter Leo X. bei, auf dem er sich einervon Schmeichlern des Papstes beantragten Verurteilung des Frateaufs entschiedenste widersetzte 67 ; er starb 1520.

Auf Grund eindringlichster theologischer Untersuchungen kamer in seiner Schrift zu dem Ergebnisse, auch in der nachapostoli-schen Zeit gebe es noch Propheten, zu denen der Frate zähle.Wenn Florenz vor anderen Städten der Auszeichnung seinerprophetischen Wirksamkeit gewürdigt ward, so hat dies nichtetwa, wie einige meinten, seinen Grund darin, daß diese Stadttiefer als alle in Laster versunken war; vielmehr ist dies ge-schehen, weil die Voraussagung der Ankunft Karls VIII. an keinempassenderen Orte stattfinden konnte als in der Stadt, die alleinmit ihm ein aufrichtiges Bündnis schließen sollte; weil ferner dieFlorentiner den scharfsinnigsten Verstand haben, so daß, wennsie für etwas gewonnen sind, die anderen um so leichter folgen;weil endlich Florenz gleichsam das Herz Italiens ist, von demLeben in alle Glieder ausströmt. Der Hauptgrund der Auserwäh-lung dieser Stadt aber liegt in ihrer hervorragenden Frömmigkeit.In den langen Jahren, während welcher ich dort lehrte und pre-digte, fand ich, versichert Benigni, kein Laster, das anderswonicht ebenso und noch mehr verbreitet wäre, wohl aber sehr vielGutes, das ich sonst nirgends antraf. Wo gibt es wieder so vielereligiöse Bruderschaften mit so vielen Seufzern und Tränen, mitso vielen inbrünstigen Gebeten und heiligen Betrachtungen, mit sovielen Abtötungen und Kasteiungen! Was soll ich erst von denunablässigen Almosen sagen, die teils in den Häusern der Bürger,teils in den Spitälern verteilt werden! Doch selbst wenn inFlorenz nichts wäre als das großartige und wunderbare Kranken-