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1 (1924) Das Leben
Entstehung
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JOHANNES NESI 441

wie im Schatten. In der heiligen Schrift ist er gänzlich zu Hause.Er kennt all ihre Auslegungsarten und ihre geheimnisvollen Be-deutungen mehr sogar als sie bisher entwickelt wurden. Sooft ichdie Probe machte, immer wieder überzeugte ich mich hiervon zumeiner größten Verwunderung. Er legte uns die heilige Schriftaus, so daß wir uns unwillkürlich an den Fremdling im Evange-lium von den Jüngern von Emaus erinnert fühlten (Vgl. Luk. 24,13 ff.), unsere Seele weitete sich und unser Herz brannte. Er istder geborene Lehrer, der tadelt, ohne die Liebe, lobt, ohne dieBewunderung zu mindern, und lehrt, so daß selbst der Gelehrteüberhaupt noch nie etwas gelernt zu haben vermeint. Doch alldies sind Dinge, die sich, obschon noch so selten, auch bei ande-ren finden. Das aber ist unbestreitbar göttlich an ihm, daß erdas Licht künftiger Ereignisse erschloß und selbst die geheimstenGedanken mit Luchsaugen durchschaute. Das alles wißt ihr auseigener Erfahrung und Benivieni bestätigte es in seiner jüngstenSchrift 57 . Wird sich nun jemand wundern, wenn er den Glau-ben mit Gründen, die aus demselben göttlichen Borne, dem erentsprang, geschöpft sind, über jeden Zweifel hinaushebt? Wassoll ich nun aber erst von seiner verzehrenden Liebe zu Christus,dem Gekreuzigten, sagen, die er seit früher Jugend hegt! Aus demgöttlichen Herzen strömt das Feuer jener Beredsamkeit, derenZeugen wir sind. Wie oft fanden wir ihn in Tränen aufgelöstund in die süßeste Umarmung des Kreuzes versunken! Sucht ihreinen Gerechten? Er ist das Muster aller Tugenden. Sucht ihreinen Redner? Er verkörpert alle Vorzüge eines Predigers. Suchtihr einen Weltweisen? Ich möchte ihn als den Gott der Philo-sophen bezeichnen. Sucht ihr aber einen Propheten, so habt ihrin ihm den Seher, dessen Voraussagungen sich noch alle aufsgenaueste bewahrheitet haben. Kurz, auf ihm ruht das Heil, aufihm die Hoffnung der Kirche. Von ihm gilt das Wort:Dies istmeines geliebten Sohnes geliebter Knecht, an dem ich mein Wohl-gefallen habe, ihn höret!" (Vgl. Matth. 17, 5.). Und doch gibt esFüchse, die einen solchen Mann, in dem wir vielmehr einenÜbermenschen und Heroen vor Augen haben, seiner Verdienstezu berauben und des Diebstahls, Ehrgeizes und Betruges zu be-schuldigen wagen! An ihn, den euch ein gütiges Geschick alsgöttlichen Propheten sandte, an ihn haltet euch! In seinemLichte schaut ihr das Licht!