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DIE FLUGSCHRIFTEN
väter" zu Gesicht bekommt, so kann er daraus nicht bloß die Ver-trautheit des Frate mit dem kirchlichen Rechte, sondern auchseine Klugheit und Besonnenheit bei Entscheidung der Gewissens-fälle ersehen.
Als schwärmerischster Verehrer des Frate bekannte sich dervornehme Florentiner Johannes Nesi, ein in humanistischer Wis-senschaft gründlich gebildeter Mann, den Marsilius Ficinus zuseinen Schülern und Freunden rechnete 53 . Seine Schrift „Orakelan Johann Franz Picus von Mirandola, Fürsten von Concordia 54 ",war am 1. September 1496 bereits vollendet und verließ am 8. Mai1497 die Druckerpresse Lorenz de Morgianis in Florenz. Nesizählte zu den Frateschen, die häufig nach S. Marco kamen undbei dieser Gelegenheit zuweilen, der eine öfter, der andere seltener,auch mit dem Frate sprachen 55 ; mit Johann Picus, dem verstorbe-nen Onkel des jungen Fürsten Johann Franz, ebenso wie mit denBenivieni befreundet, gehörte er dem engeren Kreise der Jüngerdes Propheten an, die in ihrer Bewunderung für ihn keine Schran-ken kannten. In klassischem Latein 56 entwarf er ein strahlendesBild der außerordentlichen Vorzüge und Tugenden des „Sokratesaus Ferrara", der von Gott nach Florenz, dem MittelpunkteItaliens, beordert wurde, um das Licht der göttlichen Wahrheitnach allen Seiten aufgehen zu lassen. Ihr hatte es die Stadt zuverdanken, daß sie der ihr von Karl VIII. zugedachten Plünderungentrann und nachher ihre durch die Vornehmen schwer bedrohteFreiheit behauptete. Unter seiner Leitung entstanden die wohl-tätigsten Gesetze und Einrichtungen, alle Lebensalter, Stände undGeschlechter, ganz besonders die Kinder machten unter seinerFührung die größten Fortschritte im Guten. Die Einfalt des Her-zens, die Grundlage aller Tugend, war sein tägliches Brot, erkonnte sich in ihrer Empfehlung nicht genug tun. Drei Dingesind es, die dem Worte eines Predigers Nachdruck und überzeu-gende Kraft verleihen: Ehrbarkeit des Wandels, Nüchternheit derSprache und Wahrheit des Inhalts, Eigenschaften, die in ihm, indem sich Heiligkeit des Lebens, Keuschheit der Rede und gedie-genste Wissenschaft die Hand reichen, in seltenem Maße zusam-mentreffen. Vom weltlichen wie vom kirchlichen Rechte, die erbeide gründlich beherrscht, ganz zu schweigen, ist er der Theo-logie, dieser Jakobsleiter, die Himmel und Erde verbindet, voll-kommen Meister. Er allein hat ein Wissen, alle anderen tappen