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DIE FLUGSCHRIFTEN
Wunder gewirkt, sondern im Gegenteile den Tod mehrerer Anhän-ger, die ihn in schwerer Krankheit um Hilfe angingen, beschleu-nigt. Wie einst Mohammed, versprach er dem Volke irdischesGlück. Er prahlte, mit seinem sterblichen Leibe die heilige Drei-faltigkeit geschaut zu haben 40 , was er dann allerdings widerrief 41 .Weder auf sein Fasten noch auf sein Gebet oder auf seine Keusch-heit darf er vertrauen, wenn er sich dem Papste nicht unterwirft,es bleibt ihm nichts übrig, als endlich ein Wunder zu wirken undmit dem angedrohten Schlüssel herauszurücken. Trotz allembittet der Verfasser den Frate schließlich um Entschuldigung; die-ser könne ihm nicht zürnen, wenn er, vom Eifer für das HausGottes verzehrt, für den Papst und die römische Kirche die Waf-fen ergreife.
So schwer Savonarola nun aber auch von verschiedener Seiteangegriffen ward, so konnte er doch mit Stolz und Freude aufwackere Kämpen verweisen, die sich zu seiner Verteidigung er-hoben 42 . Zu seinen wärmsten und treuesten Freunden zählten diedrei Brüder Benivieni; sie besaßen auch eigene Schlüssel zurKlosterpforte, um jederzeit ungestört ein- und ausgehen zu kön-nen 43 . Von ihnen war Anton Arzt von S. Marco. Hieronymus,der Freund Lorenzos de' Medici und Polizians, zählte zu den ge-feiertsten Dichtern seiner Zeit; sein gedankenreiches, von tieferreligiöser Gesinnung durchglühtes Gedicht „Über die göttlicheLiebe" schilderte das Erwachen der himmlischen Liebe im Geistedes erstgeschaffenen Engels 44 . Stets stand er dem Frate ganz be-sonders nahe 45 , über den er sich als hochbetagter Greis in einemSchreiben an Clemens VII. voll Begeisterung aussprach 48 , f 1542.Gleich ihm gehörte Dominikus, Kanonikus von S. Lorenz, einfrommer, makelloser Mann, ob seiner gründlichen theologischenGelehrsamkeit „Der kleine Scotus", Scotinus, genannt 47 , zu denfeurigsten Frateschen, f 1507. Schon 1496 hatte er eine „Ab-handlung zur Verteidigung und Erhärtung der Lehre und Prophe-tien, gepredigt vom Bruder Hieronymus in der Stadt Florenz 48 ",geschrieben, wie er im Vorworte selbst erklärte, „zum Tröste derGläubigen und zur Beschämung der Widerspenstigen", nachdemer mit Gottes Gnade die Lehre und den Wandel des Frate aufsgenaueste kennen gelernt habe. In 15 Kapiteln gab er einen Ab-riß und eine Rechtfertigung der bisherigen Predigt seines Freun-des, die um so nötiger gewesen sei, je größere Verheerungen der