426 DER KIRCHENBANN
genährte ergriff 82 . Ende Juli erlagen ihr in Florenz allein täg-lich etwa 100 Personen 83 ; da ihr aber auffälligerweise keine Kin-der zum Opfer fielen, so glaubten die Frateschen wiederum andie Erfüllung der Predigt des Frate von der Erneuerung derKirche und Welt, die durch die Kinder und nicht durch die Altenvor sich gehen sollte 84 . Die Rücksicht auf die herrschende Pest wares auch, die der Verhängung des von den Arrabbiaten so ange-legentlich betriebenen Interdiktes über die Stadt im Wege stand.Man wollte dem Frate den Triumph nicht bereiten, den HeiligenStuhl der Grausamkeit beschuldigen zu können, wenn er die Bür-gerschaft der geistigen Nahrung zu einer Zeit beraubt hätte, in dersie ihrer am nötigsten bedurfte 85 . Zudem hätte diese Maßregelgerade die vermöglichen und einflußreichen Leute am wenigstenbetroffen, da diese die Stadt bereits verlassen und sich auf ihreLandhäuser in der würzigen Luft der nahen Berge zurückgezogenhatten 88 . Anfangs Juli hielt die Pest auch in S. Marco ihren Ein-zug 87 ; Thomas Busini, ein heiligmäßiger Ordensmann und ge-schätzter Prediger, ehemals Prior von S. Katharina in Pisa, ver-schied, vierzig Jahre alt, als ihr erstes Opfer 88 , dem im Juli undAugust noch zehn andere Brüder folgten 89 . Der Frate hatte nichtversäumt, mehr als siebzig seiner Untergebenen, besonders diejüngeren und die Novizen 00 , in den Landhäusern, die ihm vonihren Verwandten und seinen Freunden und Anhängern zur Ver-fügung gestellt wurden, in Sicherheit zu bringen, da er es für eineVermessenheit ansah, die nötigen Vorkehrungen zum Schutze derSeinigen wider die Ansteckung zu unterlassen und Gott zu ver-suchen. Er selbst blieb mit den älteren Vätern zurück, mit welchener in vollem Seelenfrieden und Herzenstrost lebte 01 . Die Gegneraber sprengten das Gerücht aus, in S. Marco sei eine Spaltung ein-getreten, die Brüder hätten sich mit ihrem Oberen entzweit undaus Furcht vor dem Banne von ihm getrennt 02 . Wie er seinemjüngsten Bruder Albert, dem Arzte, mitteilte 93 , befand sich unterden so geborgenen Novizen auch ihr gemeinsamer Bruder Mau-relio 01 , dem er am 23. Februar 1497 das Ordenskleid gereicht hatte.Auch er selbst, fügte er bei, sei von den Mönchen sowohl wie vonden Bürgern gebeten worden, für seine Gesundheit zu sorgen unddie Stadt zu verlassen. Doch könne er sich nicht entschließen,diesem Rate zu folgen und an einem der vielen ihm angebotenenOrte Aufenthalt zu nehmen, er bleibe vielmehr im Kloster, um die