424 DER KIRCHENBANN
sich des Gebannten anzunehmen und den Papst zu beschwich-tigen, damit nicht auch die Stadt in den Bann verwickelt werde.G. A. Vespucci aber riet von sich aus, vor allem zu untersuchen,ob die Sache von Bürgern oder Mönchen ausgegangen sei, unddas Heilmittel danach zu wählen 67 . Die Signorie wies nichtbloß Bracci an, beim Papste wie bei den Kardinälen des Reform-ausschusses für den Frate einzutreten 68 , sondern ersuchte auchAlexander VI. selbst in einem warmen Schreiben, das sie durchBracci überreichen ließ, um Zurücknahme des Bannes 60 . DemKardinal Lopez von Perugia, sowie dem Bischöfe Podocatarovon Capaccio entbot sie ihren Dank für alles, was sie zugunstendes Frate getan hatten 70 .
Wie in Florenz bekannt war, lief am päpstlichen Hofe eineListe von Bürgern um, die sich für die Irrtümlichkeit und Ver-derblichkeit der Predigt des Frate verbürgten. Brüder vonS. Marco regten nun daraufhin an, eine ähnliche Liste zur Ver-teidigung des Frate in Umlauf zu setzen — ein Vorschlag, der,von Franz Valori und Johann Baptist Ridolfi gebilligt, sofort zurAusführung kam 71 . Zunächst richteten die Mönche von S. Marcoselbst ein Schreiben 72 an den Papst, worin sie die wider ihrenOberen ausgestreuten Verleumdungen zurückwiesen und beteuer-ten, dieser habe stets nur das Beste gewirkt und gepredigt, wie sie,250 Ordensmänner, die beständig in seiner unmittelbaren Um-gebung weilten und als geborene Florentiner sicher ohne Grundkeinen Fremden verteidigten, mit bestem Gewissen bezeugenkönnten; sie bäten daher, ihren Oberen vom Banne loszusprechen.Wie sie in ihrem Bittgesuche, das sie einhellig unterschrieben,hervorhoben, zogen sie nun für den Fall, daß ihre Aussage etwanicht genügen sollte, auch noch eine Menge angesehener Bürgerzur Unterzeichnung einer Erklärung 73 heran, das von den Brüdernvon S. Marco zugunsten der Ersprießlichkeit der Predigt des Frateausgestellte Zeugnis beruhe auf Wahrheit, der Heilige Vater mögediesen daher von allen Kirchenstrafen befreien. Die treibendeKraft in Sachen der Unterschriften war Silvester Maruffi 71 ; in ■seinem Auftrage besorgte Robert Ubaldini, der Chronist undSakristan des Klosters, die Ausführung. Auch der Frate war hier-mit einverstanden, da er wußte, daß Robert die Leute am bestenkenne 75 . Manche unterschrieben mit der Bemerkung: „Das istdas Evangelium des heiligen Johannes, ich will auch den und