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1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
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VERHÖHNUNG DES FRATE 423

losen Rangen gestört wurde 58 . Mit Schimpf und Schande wur-den seine Getreuen, da sie durch den Verkehr mit ihm demBanne auch selbst verfallen seien, aus den Ordenskirchen ver-jagt 59 . Die Brüder von S. Marco wurden von sehen der Gläubi-gen, die der Seelsorge der anderen Orden unterstellt waren, wieJuden mißachtet und auch nicht mehr mit Almosen wie bisherbedacht 60 . Es gewann ganz den Anschein, als seien sie und derFrate voran für vogelfrei erklärt. Wenn sie nachts im Chore dasLob Gottes sangen, so vernahmen sie aus den benachbartenStraßen die unflätigen Lieder, Reden und Zurufe der Compa-gnacci, die allen möglichen Unfug verübten 61 . Beschwerden bei denBehörden hatten keinen Erfolg. Die Täter durften sich ihrerHeldentaten ungescheut brüsten, ihr mächtiger Anhang schütztesie vor Untersuchung und Strafe 62 . Längst daran gewöhnt, imKampfe gegen politische Gegner die schmutzigsten Waffen nichtzu verschmähen, waren sie niederträchtig genug, den Frate sogarder Sodomie zu bezichtigen; doch wurde ein Priester, der sich zusolcher Gemeinheit herbeiließ, verhaftet und zu öffentlicher Ab-bitte gezwungen 63 . An allen Ecken und Enden waren Bilder zusehen, die den Frate in unzüchtigem Aufzuge darstellten; es reg-nete neuerdings Spottgedichte und Briefe in lateinischer unditalienischer Sprache gegen ihn und seine Lehre 64 . Aber etwasErnstes vermochten die Compagnacci und Arrabbati gleichwohlnicht auszurichten. Sie hatten sich in der Annahme verrechnet,den Bann noch während der Amtszeit ihrer Signorie kräftig aus-nützen zu können. Er war erst eingetroffen, als die Wahl derneuen Signorie bereits vor der Türe stand, und sie sahen ihr mitBangen entgegen 65 . Es zeigte sich denn auch sofort, wie wenigdie Exkommunikation imstande war, das Ansehen des Frate undder Frateschen zu erschüttern. Diese trugen, durch die Bigi ver-stärkt, in den Signorenwahlen nicht nur für JuliAugust, sondernauch später für den Rest des Jahres immer wieder den Sieg davon.Nun war von einem Weggange des Frate natürlich nicht mehr dieRede; im Gegenteile räumte jetzt Lorenz Medici das Feld, umsich ins Mugello zurückzuziehen 60 . Die neue Signorie war sofortaufs emsigste tätig, die Aufhebung des Bannes zu erwirken. Sielegte dem Rate der Achtzig die Frage vor, was zu diesem Behufezu tun und ob es nicht empfehlenswert sei, an den Papst zugun-sten des Frate zu schreiben. Alles war darin einig, es wäre gut,