422 DER KIRCHENBANN
Papste nicht zu Füßen wirft, so ist die Lossprechung nicht zuerreichen. Denn der die Sache in Angriff nahm, ruht nicht, viel-mehr sind verschiedene gegenteilige Vorbereitungen wahrzu-nehmen; und alles kommt von Florenz". Auch der Kardinal vonNeapel erklärte wiederholt, wenn sich der Frate zur Einigung derKlöster nicht herbeilasse, so sei an Lossprechung nicht zu denken.Nachrichten der Art verschlimmerten die Lage zu Florenz mehrund mehr. Die Frateschen vernahmen in ihnen den Widerhallder von den Arrabbiaten, ganz besonders, wie sich soeben heraus-gestellt hatte, von Jakob de' Nerli beim Papste wider den Frateerhobenen Klagen und Anklagen, in welchen sie ebenso vieleFeindseligkeiten wider sich selbst und die Volksherrschaft erblick-ten. So wuchs die Spannung unheimlich an. Schon versahensich beide Teile mit Waffen, man hielt ein blutiges Handgemengeifür unabwendbar, besonders falls nun auch noch das Interdiktüber die Stadt verhängt wurde 53 . Um das Äußerste zu verhüten,trafen die angesehensten Geschlechter, darunter die Ridolfi, Pittiund Strozzi, die Vereinbarung, in Sachen des Frate nicht zu denWaffen zu greifen; überdies suchten sie Valori einzuschüchternund zur Niederlegung seiner Rolle als Parteiführer der Frateschenzu bewegen. Dazu verstand sich Valori zwar nicht, immerhinließ er sich zu Verhandlungen mit Tanai de' Nerli, einer derHauptsäulen der Arrabbiaten, herbei. Man wollte, wie die Arrab-biaten erklärten, die Sache des Frate nun endlich klären. Manwollte sehen, ob wirklich Gott aus ihm spreche, ob ein übernatür-liches oder nur ein irdisches Licht in ihm leuchte, und ob seineAnhänger aus Liebe zum Vaterlande oder nur aus Herrschsuchthandelten 54 . Er hatte ja zudem selbst Aufklärung verheißen,worin man vielfach die Ankündigung eines Wunders oder docheiner außerordentlichen Maßregel sah 55 . Die Arrabbiaten erkann-ten vollauf, daß sie gewonnenes Spiel hatten, wenn sie dem PapsteGehorsam zu verschaffen imstande waren. Sie wußten, es warihm darum zu tun, den Frate aus Florenz zu entfernen und nachRom vorzuladen. Setzten sie seinen Weggang aus Florenz durch,so war ihr Triumph besiegelt 58 . Sie versäumten auch wahrlichnichts, dem Frate den Boden heiß zu machen. Ihm zum Trotzeließen sie am Feste Johannes des Täufers den altüberlieferten,jedoch in den letzten Jahren eingestellten Wettrennen freien Lauf 7 .Ruhig sahen sie zu, wie die Fronleichnamsprozession von gott-