420 DER KIRCHENBANN
schaft sei 37 . Der Frate selbst kümmerte sich weder um Bannnoch Verkündigung. Er feierte am selben Sonntage wie sonst• die heilige Messe und ließ sie auch durch seine Mönche feiern;) und ebenso hielt er es an den folgenden Tagen 38 . Selbstverständ-| lieh verfochten die Gegner mit Feuereifer die Gültigkeit der Ex-kommunikation und beeilten sich, eine italienische Übersetzungihres Wortlautes zu verbreiten 30 . Das Urteil über den Bann warüberhaupt reine Parteisache. Die Frateschen verwarfen, dieArrabbiaten verteidigten ihn aufs leidenschaftlichste, man sprachvon nichts anderm mehr, als ob er gültig sei oder nicht 40 . Danun das Fest des Stadtpatrons Johannes des Täufers bevorstand,das mit einer feierlichen Prozession verherrlicht zu werdenpflegte, so erklärten verschiedene Klöster der Signorie, dem Um-züge fernbleiben zu müssen, falls sich der Frate mit seinenBrüdern daran beteilige, weshalb diese den Befehl erhielten, zuHause zu bleiben 41 . Schon rechneten die Arrabbiaten mit Sicher-heit auf die Verhängung des Interdiktes über die ganze Stadt, zurStrafe für den Ungehorsam der Frateschen und ihre Bestreitungder Gültigkeit des Bannes; wie es hieß, war Johann von Camerinobereits bevollmächtigt, in diesem Falle auch das Interdikt zu ver-künden 42 .
Die Aufregung stieg ins Fieberhafte, als am Tage nach derfeierlichen Erklärung des Bannes, am 19. Juni, die Nachricht vonder Ermordung des ältesten Sohnes des Papstes, des Herzogs vonGandia, in Florenz eintraf 43 . Das entsetzliche Verbrechen lenktedie Aufmerksamkeit der Gläubigen neuerdings auf das schmach-volle Leben des Papstes, der so sehr verrufen war, daß ihm sogardie Arrabbiaten, seine Verbündeten, ein blutschänderisches Ver-hältnis zu seiner Tochter, der schönen Lucrezia, zutrauten undden an seinem Sohne begangenen Meuchelmord hiermit in Zu-sammenhang brachten 44 . Die Frateschen aber erblickten in demfurchtbaren Ereignisse ein Wunder, die göttliche Strafe für dasungerechte Vorgehen des Papstes wider den Frate 45 . Zunächstgewann es den Anschein, als solle sie nicht bloß dem Papste, son-dern der ganzen Kirche zum Heile gereichen. Unter dem nieder-schmetternden Eindrucke der schweren Heimsuchung ging Alex-ander VI. in sich und setzte einen Ausschuß von sechs würdi-gen Kardinälen, unter welchen sich auch Caraffa befand, zurErneuerung der Kirche ein 46 . Diesem Reformausschusse ward