BESCHWERDE DES PAPSTES 4r 3
Schäflein nicht mit räudigen vermischen zu lassen? Gott. Dennes ist Liebespflicht, daß ich meine Schäflein behüte. Wenn dujemand Hungers sterben siehst und ihm beispringen möchtest,dein Vater dir aber aus Geiz verbietet, Almosen zu geben, waswirst du dann sagen? ,Mein Vater,' wirst du sagen, ,hierin bistdu nicht mein Vater, denn Gott will es so'." „So verhält es sichnun auch mit dir, Frate. Wenn dir geboten würde, in die Ver-mengung der Guten mit den Bösen zu willigen, so darfst du umkeinen Preis gehorchen. Wenn man Übles tun und es sich leichtmachen will, so erhält man jederzeit Erlaubnis dazu, nur nicht,wenn man es ernst nimmt. Wenn ich sähe, daß meine Abreiseden Ruin dieses kleinen florentinischen Weinberges nach sichzöge, so ginge ich nicht, wenn es mir auch geboten würde. Nichtals ob ein solches Gebot bereits gegeben wäre; aber wir sind ent-schlossen, zum Schutze des Weinberges unser Leben zu wagen,und ich bitte euch, daß auch ihr dazu mitwirkt." „Ich weiß, dubetriebst die Verhängung des Kirchenbannes über mich. Doch ge-lang es dir bis jetzt nicht, statt seiner kam vielmehr der Jubel-ablaß für Ostern. Doch tue, wie Gott es zuläßt; wenn ich nurvon Gott nicht gebannt werde 7 ."
In der Tat bildete die Sache des Frate eben damals den Gegen-stand lebhafter Erörterungen am römischen Hofe. Freilich waraus ihnen neuerdings aufs klarste ersichtlich, daß, wie immer sojetzt, politisch e Erwä gungen die Haltung des Papstes bestimmten,während die tuszische Kongregation lediglich den Vorwand zumEinschreiten abgab. Wiederum beschwerte sich Alexander VI. inUnterredungen mit dem Botschafter Bracci über die halsstarrigeWeigerung der Florentiner, der Liga beizutreten; sie sei aber,fügte er bei 8 , lediglich die Folge ihres Glaubens an die Prophetieihres Schwätzers (parabolano). Wäre es ihm, dem Papste, ge-gönnt, persönlich mit ihnen zu verhandeln, so fiele es ihm nichtschwer, sie von ihrem wahren Vorteil zu überzeugen und von demblinden Irrtum abzubringen, in den sie der Frate verstrickt habe.Mit Fug und Recht müsse er sich über sie beklagen, weil sie esruhig hinnähmen, wie er von ihm angegriffen, mißachtet, bedrohtund herabgesetzt werde; das entspreche sicher der Ergebenheitnicht, die sie ihm, als dem Statthalter Christi, schuldig seien.Durchaus in Übereinstimmung mit Bracci berichtete auch Becchi 9 ,der Papst setze die ablehnende Haltung der Florentiner in Sachen