XXI. Kapitel.
DER KIRCHENBANN. DIE PEST IN FLORENZ
Die Arrabbiati und Compagnacci sahen zwar ihren Anschlagauf den Frate gescheitert, aber sie hatten nicht bloß ein Eisenim Feuer. Was sie zu Hause nicht fertigbrachten, das mußteihnen der Heilige Vater in Rom besorgen 1 . Sie wußten, hier warzum letzten, vernichtenden Schlage alles bereit. Im Breve vom7. November 1496 war jeder Widerstand gegen die neue tuszischeKongregation unter Strafe des von selbst eintretenden Kirchen-bannes verboten worden. Der Frate hatte "den Beitritt von An-fang an hartnäckig verweigert und die Strafe daher auch bereitsverwirkt, und es erschien nur mehr als eine Frage der Zeit undkirchlichen Zweckmäßigkeit, ob und wann sie nun öffentlichüber ihn verhängt werden sollte. Er selbst war sich seiner Lageklar bewußt. Schon im Februar 1497 sprach er von einer Ver-sammlung, welche die Lauen gegen ihn in Rom veranstaltethatten 2 . Als es dann im März allgemein hieß, der Bann sei bereitsunterwegs, erklärte er 3 : „So hieß es schon das vorige Jahr, aberdamals gelang es dir nicht. Ich bitte Gott, er möge bald kommen,ich fürchte mich nicht davor. Dann aber wollen auch wir unsereStimme erheben und rufen: .Lazarus, komm heraus!' Da werdenviele Gesichter die Farbe wechseln und erbleichen." „0 Frate,es gibt jemand, der Böses von dir zu Rom spricht 4 ." „Er tut esnur anderen zu Gefallen, nicht aus Eifer; er lief ja stets den Vor-nehmen und Großen nach. Teile ihm mit, Gott habe ihm nunschon viele Heimsuchungen geschickt 5 und werde ihm, wenn ersich nicht bessere, die letzte senden." Wie von Anfang an, so be-gründete der Prophet seine Ablehnung der neuen Kongregationnoch jetzt mit der Rücksicht auf die christliche Nächstenliebe.„Wenn ich sehe," erklärte er 6 , „wie jemand meine Mönche mitLeuten vermengen will, die einen schlimmen Wandel führen, undeine neue Kongregation bilden möchte, bin ich da nicht verpflich-tet, mein Leben aufs Spiel zu setzen? Wer gebot, mir, meine