406 DIE PREDIGTEN ÜBER EZECHIEL
verhallte auch bei dieser Gelegenheit nicht ungehört. VermöglicheLeute spendeten reichliche Almosen, und auch die Behörden wen-deten beträchtliche Summen auf, um auswärtiges Getreide herbei-zuschaffen und unter die Darbenden zu verteilen. Man suchteauch in der Weise Erleichterung zu schaffen, daß man die inFlorenz nicht zuständigen Esser unter Todesstrafe der Stadt ver-wies. Die Menge kehrte sich jedoch nicht daran, stürmte viel-mehr eines Tages die städtische Vorratskammer und plünderte sie.Schon wagten sich ungescheut Stimmen hervor, die nach denMedici riefen; zu ihrer Zeit sei es doch besser gewesen, da habeman wenigstens zu essen gehabt. Jetzt, wenn Peter käme, hieß es,hätte er gewonnenes Spiel 108 .
Die Medici begriffen sehr wohl, daß sie das Eisen schmiedenmußten, solange es heiß war, und daß sie, wenn sie die herrschendeHungersnot und die Amtszeit del Neros nicht ausnützten, auf un-absehbare Zeit alle Aussicht verloren hatten 107 . Törichterweisevertrödelte Peter gleichwohl die schönste Zeit und erschien erstam 28. April vor den Mauern seiner Vaterstadt. Hier hatte dieNachricht von seinen Absichten und Rüstungen bange Sorge er-regt, obschon man sich dann wieder mit dem Gedanken be-ruhigte, durch die Wahl der Friedensmänner sei ihm alle Hoff-nung abgeschnitten, man brauche sich aus seinen Anschlägennicht viel zu machen 108 . Als die Arrabbiaten dann aber erfuhren,daß Peter von Siena her im Anmärsche sei, trafen sie in allerEile die nötigsten Vorkehrungen und zogen Truppen zum Schutzeder Stadt und zur strengen Bewachung der Mauern und Tore her-an 109 . Im Zeichen der Angst vor Peter hatte sich auch schon dieWahl der Signorie für Mai und Juni vollzogen, die sich durchwegaus Feinden der Medici und des Frate zusammensetzte, mit Peterdegli Alberti als Bannerherrn, ebenfalls einem Arrabbiaten vomreinsten Wasser. Mit nur etwa 2000 Reisigen ausgerüstet,war Peter viel zu schwach, um die Tore zu sprengen und dieStadt mit Gewalt nehmen zu können. So sah er sich genötigt, ge-duldig des Augenblickes zu harren, da ihm die Freunde im In-nern der Stadt die rettende Hand reichen und Einlaß verschaffenwürden. Stunde um Stunde verstrich, — aber zu seiner schmerz-lichsten Enttäuschung überzeugte er sich, daß sich nirgends auchnur ein Finger zu seiner Hilfe rührte. So machte er sich schließ-lich aus Furcht, bei längerem Zögern umzingelt zu werden, un-