HUNGERSNOT IN FLORENZ 4o5
auf den Valori mit seiner Anordnung stieß". Als nun gar einMann wie Bernhard del Nero mit der höchsten Würde des Staatesausgezeichnet worden war, da kannte der Jubel der Medici keineGrenzen. Ein eigener Eilbote flog mit der frohen Kunde nachRom, von wo dann wieder ein Vertrauensmann nach Florenz anden neuen Bannerherrn ging 100 . Nicht als ob Peter seine Hoff-nung in erster Linie auf seine florentinischen Verwandten undFreunde gesetzt hätte. Auf den Papst, auf den Mohren und aufVenedig baute er, seinen Mitbürgern wollte er möglichst wenig zudanken haben. Er wollte sich in keine Abhängigkeit von ihnenbegeben und keinen Rat von ihnen empfangen, um in der scho-nungslosen Durchführung seiner Rachepläne durch keine Rück-sicht gehemmt zu sein. Selbst der Kardinal äußerte zu Bolsena:Wenn sie zurückkämen, so würden die Verbannungen des Jahres1434 und die Hinrichtungen von 1478 ein Kinderspiel gegenüberden Maßregeln sein, die sie treffen müßten, um nicht ein zweites-mal vertrieben zu werden. Manche Familien, wie die Nerli, soll-ten vollständig, andere, wie die Capponi, Nasi, Valori, Pazzi, zumguten Teil ausgerottet werden; mit dem reichen Vermögen ihrerVettern Lorenz und Johann gedachten sie sich wirtschaftlich zuerholen 101 .
Einen starken Posten in der Rechnung der Medici bildete dieStimmung des niederen Volkes, dessen sie sich durchaus versicherthielten 102 . Infolge eines zwei Jahre andauernden, fast unaufhör-lichen Regens 103 war wie in ganz Mittelitalien so besonders imFlorentinischen allgemeiner Mißwachs und eine Hungersnot ein-getreten, die grauenhaftes Elend im Gefolge hatte. Die armenLeute brachen auf der Straße vor Not und Entkräftung zusam-men, Tausende starben Hungers, Unzählige füllten die Spitälerund Krankenhäuser. Da die Teuerung auf dem Lande nochschrecklicher als in der Stadt wütete, so flüchteten sich die Land-leute fünfzehn bis zwanzig Meilen weit mit Kind und Kegel nachFlorenz, und es war ein erschütternder Anblick, „der einen Hundzum Mitleid gerührt hätte", Väter mit ihren Frauen, Kindern undAngehörigen durch die Straßen wanken zu sehen, mit dem Rufe:„Um der Liebe Gottes willen, gebt uns ein Stückchen Brot, wirsterben vor Hunger 104 ." Zwar unterließ es der Frate nicht, dieGläubigen zur Unterstützung der Bedürftigen und zur Heraus-gabe des aufgespeicherten Getreides anzufeuern 105 . Sein Wort