BERNHARD DEL NERO BANNERHERR 3 g5
seine am 28. Dezember unterbrochenen Vorträge über Ezechielvom Aschermittwoch, 8. Februar an, fortsetzte, wies er diegegen die Verbrennung erhobenen Klagen zurück und spornte dieGläubigen zur Ablieferung der bisher noch zurückgehaltenensündhaften Gegenstände an. Er erinnerte daran, daß schon derheilige Apostel Paulus zu Ephesus die Zauberbücher, die einenWert von 50 000 Drachmen darstellten, den Flammen übergebenhabe (Apg. 19, 19), wie auch der heilige Gregor der Große dieschönen Figuren von Rom und die Bücher des Livius demFeuer überantwortete. „Meint ihr denn, der heilige Gregor seiein Narr gewesen? Gäbe es hier doch mehr solche Narren 34 !"Schon hatte man wieder eine solche Menge von „Eitelkeiten" bei-sammen, daß man eine neue Verbrennung in Aussicht nehmenkonnte; die Zeitverhältnisse zwangen jedoch, hiervon abzu-stehen 35 .
Heftiger denn je wetterten die Prediger gegen den Frate.„Haue es ab, haue es ab vom Leibe der Kirche, dieses Scheusal,heiligster Vater!" so begann Marian von Gennazano in Rom eine 1Predigt in Gegenwart des Papstes 38 . In Florenz führten dieFranziskaner eine so scharfe Sprache, daß sie von einem neuenPredigtverbote der Signorie betroffen wurden, worauf sie dieStadt verließen 37 . Den vereinten Bemühungen der Arrabbiati,Compagnacci und Bigi, die besorgten, es könnte nach Ablauf derAmtszeit Valoris sein ergebenster Freund Anton Canigiani seinNachfolger werden, gelang es, dies zu verhindern und die Wahleiner Signorie durchzusetzen, an deren Spitze Bernhard del Nerostand, ein ebenso erklärter Freund der Medici wie ausgesproche-ner Gegner des Frate und besonders Valoris 38 . Die Piagnonenwaren empört. Camilla Rucellai forderte sie sogar auf Grundeines Gesichtes auf, den neuen Bannerherrn von einem Fensterdes Palastes herabzustürzen, und ließ durch Bruder Malatestaanfragen, ob dies erlaubt wäre und eine göttliche Offenbarungsein könnte, was der Frate verneinte 39 . Um so lauter jubeltendie Gegner. „Der neue Bannerherr", schrieb der mailändischeGesandte an seinen Herzog 40 , „könnte unseren Freunden nichtwillkommener sein. Die Sache nimmt nun wohl bald den ersehn-ten Lauf, und der Frate und seine Sippe werden auf dem letztenLoche pfeifen!" Nun wurden die Beschimpfungen des Prophe-ten nicht mehr geahndet; sie habe, erklärte die Signorie auf seine