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DIE PREDIGTEN ÜBER EZECHIEL
Pfeifen und Hörner der Signorie züngelten die Flammen empor,welche die „Eitelkeiten" in Asche verwandelten.
Man würde sich einem schweren Irrtume hingeben, wenn mandie Verbrennung der „Eitelkeiten" für eine Eigenart des Frate undeinen Beweis seines besonderen Fanatismus und Kunsthasses( hielte 27 . Bildeten doch solche Verbrennungen bekanntlich längstI eine beliebte Begleiterscheinung der italienischen Bußpredigt 28 .So veranstaltete der heilige Bernhardin von Siena in Bologna,Siena, Perugia, Rom und namentlich auch in Florenz derlei Ein-äscherungen 20 , und seine Schüler taten das gleiche. Als derheilige Johann von Capistran in Nürnberg predigte, waren sechsgroße Lastwagen nötig, um die „Eitelkeiten" wegzufahren, dieseiner Aufforderung gemäß den Flammen überantwortet wur-den, und in Erfurt, Magdeburg, Breslau und anderen Ortengeschah dasselbe 30 . Der Franziskaner Bernhardin von Feltrenahm solche Verbrennungen in einer Menge von Städten vorund schonte selbst die schönsten Gemälde nicht, wenn sie heid-nische oder schamlose Dinge darstellten 31 . Angesichts der mäch-tigen religiösen Begeisterung, welche der Frate in Florenz ent-facht hatte, kann das Wiederaufleben dieser alten Gepflogenheitso wenig überraschen, daß man sich im Gegenteil wundern muß,sie nicht viel öfter, sondern während seiner ganzen Wirksamkeitnur zweimal im ganzen am Werke zu sehen. Daß hierbei auchWertgegenstände mancherlei Art dem Untergange verfielen, istgewiß zu beklagen; bei dem ungeheuren Reichtum an Luxus-gegenständen aller Art wurden jedoch solche Verluste nichtschwer empfunden, zumal da sie leicht zu ersetzen waren. Über-dies hatte die ganze Feier den Beifall der Bürgerschaft wie derhöchsten Behörden, die sich an ihr beteiligten, obschon freilichdie Gegner, ärgerlich über die neue Steigerung, welche das An-sehen des Frate und Valoris hierdurch erfuhr, mit ihrem Tadelüber die hierbei zutage getretene „Leichtfertigkeit" und „Heuche-lei" sowie über den unersetzlichen Verlust an Kostbarkeiten,deren Verkauf eine stattliche Summe zum Besten der Armenergeben hätte, nicht zurückhielten 32 — Beschwerden, von wel-chen schon ein Zeitgenosse 33 bemerkte, daß sie ganz den Aus-stellungen der Juden anläßlich der Salbung Jesu durch MariaMagdalena (Matth. 26, 6 ff.) glichen. Der Frate ließ sich hier-durch nicht beirren. In den Fastenpredigten, mit welchen er