VERBRENNUNG DER „EITELKEITEN" 393
ramide aber krönte ein Bild des Karnevals, ein häßliches undscheußliches Ungeheuer, wie es eben in Gottes Angesicht ein sol-ches Gemisch aller abscheulichen Laster sein muß, die an diesenTagen von den unglücklichen Seelen falscher Christen Besitzergreifen. All diese Gegenstände waren in schönster Ordnungaufgestellt, so daß sie eine wahre Augenweide bildeten, darunter,wenn auch keine eigentlichen Kunstwerke 24 , so doch Gemälde,Figuren und sonstige Dinge von Wert, wie Schachspiele von Elfen-bein und Alabaster. Ein venetianischer Kaufmann bot derSignorie 20 000 Dukaten hierfür, ohne etwas anderes zu erreichen,als daß sein Bildnis als das des Fürsten all dieser Eitelkeiten aufdem Gipfel der Pyramide angebracht wurde. Am Fastnachtstage,7. Februar 1497, empfingen morgens viele Tausende von Per-sonen aus der Hand des Frate die heilige Kommunion, unter demGesänge so vieler Psalmen und Hymnen, daß es schien, als seiendie Engel herniedergeschwebt, um inmitten der Menschen aufErden zu wohnen. Nach dem vom Frate gefeierten Hochamtebegab sich alles nach Hause, nach dem Essen aber setzte sicheine herrliche Prozession in Bewegung. Voran zog, von Kna-ben getragen, ein entzückendes Jesuskind, das, von vier lieblichenEngeln gehalten, mit der Rechten den Segen gab, in der Linkenaber die Leidenswerkzeuge zeigte, die Dornenkrone, die Nägelund das Kreuz, — ein Werk von wunderbarer Schönheit ausder Hand des unvergleichlichen Meisters Donatello. Sein Ehren-geleite bildete ein Chor junger Sänger, die ihm mit den süßestenWeisen, Psalmen und Hymnen den Zoll ihrer Huldigung entrich-teten. Ihnen reihten sich in Paaren ihre Altersgenossen an,Almosensammler nahmen für die verschämten Armen Spendenentgegen, die an diesem einen Tage mehr als sonst das ganzeJahr über eintrugen. Sodann folgten die Männer, rote Kreuz-chen in Händen, schließlich die Mädchen und Frauen. Im Domeward eine von Hieronymus Benivieni eigens für diese Gelegenheitgedichtete Laude 25 abgesungen, auf dem Signorenplatze aber einwitziges Spottlied auf den Karneval 20 angestimmt. Nun nahteder Höhepunkt der ganzen Feier, indem die vier Aufseher derfrommen Jugendschar die brennenden Fackeln an den Scheiter-haufen anlegten; und unter dem unbeschreiblichen Jubel desVolkes, unter dem Geläute der Glocken des Signorenpalastessowie unter dem ohrenbetäubenden Schalle der Trompeten,