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DIE PREDIGTEN ÜBER EZECHIEL
Savonarola hatte seine Adventpredigten am 28. Dezember been-det. Zu Weihnachten hatte er 1300 junge Leute im Alter bis zu18 Jahren, die von ihren Beichtvätern die Erlaubnis zumEmpfange der hl. Kommunion erhalten hatten, im Dome zumTische des Herrn geführt, zur größten Erbauung der Gläubigenund besondes der Fremden, die sich vielfach der Tränen nicht zuerwehren vermochten 22 . Während des Monats Januar 1497 blieber der Kanzel fern. Statt seiner predigte Dominikus von Pescia,der die Gläubigen zur Herausgabe aller unehrbaren Schriften,Figuren und Gemälde aufforderte, die zu unschamhaften Gedan-ken reizen könnten, die Kinder aber beauftragte, unter Aufsichtund Anleitung ihrer Vorsteher in den Häusern ihrer Bezirke mitaller Demut und Bescheidenheit solche vom Fluche, Anathema,der Kirche betroffenen und daher auch selbst „Anathema" genann-ten Gegenstände einzusammeln 23 . Der Erfolg war großartig. Eslief eine Unmenge der verschiedensten Dinge ein, die im Diensteder Sünde und der menschlichen Eitelkeit standen und deshalb als„Eitelkeiten", vanitä, schlechthin bezeichnet wurden. Der Fratebeschloß nun im Einvernehmen mit Valori und der Signorie, wieschon im Vorjahre am Fastnachtstage eine große Kinderprozes-sion und heuer mit ihr eine Verbrennung der „Eitelkeiten"zu veranstalten. Zu diesem Zwecke wurde auf dem Signoren-platze ein mächtiger Scheiterhaufen in Form einer achtseiti-gen, 30 Ellen hohen und unten 120 Ellen breiten, inwendig mitPulver und Reisigbüscheln ausgefüllten Pyramide errichtet. Aufden 15 Stufen, aus welchen sie sich zusammensetzte, fanden nundie zusammengebrachten „Eitelkeiten" Platz: Spiegel, Schmin-ken, Salbbüchschen, Moschus und wohlriechende Kräuter ver-schiedener Art, Orangenwasser, Puder, Puppen, Masken, Perücken,falsche Haare und Barte, Schleierhalter, Livreen, Schachspiele,Würfel, Karten und Vorrichtungen zu ihrer Anfertigung, Tafel-aufsätze, Harfen, Lauten, Gitarren, Klaviere (gravicembali),Schalmeien (pive), Jagdhörner (cornette) und ähnliche Ton-werkzeuge; die Werke Boccaccios und Petrarcas, der Morganteund andere Schlachtenbücher sowie Zauber- und sonstige aber-gläubische Schriften; endlich unschamhafte Figuren und Ge-mälde, die Bilder schöner Florentinerinnen von der Hand derausgezeichnetsten Maler und Bildhauer und kostbare ausländischeTücher mit Darstellungen unzüchtigster Art. Die Spitze der Py-