PREDIGERSTREIK 3 gi
halten. Die Ordensmänner verließen jedoch den Palast, ohne diegeforderte Erklärung zu geben. Da Jakob von Brixen seine Be-hauptung gleichwohl wiederholte, so lud die Signorie erzürnt dieOberen abermals vor, mit ihnen erschien auch P. Jakob, um sichzu rechtfertigen. Valori fuhr sie barsch an und tadelte sie heftigmit der Drohung, sie und ihre Klostergenossen als aufrührerischeund gottlose Leute verhungern zu lassen; dann jagte er sie, ohneihre Entgegnung abzuwarten, davon 17 . Bestürzt kehrten sie inihre Klöster zurück und besprachen sich mit ihren Genossen;schließlich vereinbarten sich die Prediger von Heilig Kreuz, S. Lo-renz, S. Felizitas und S. Peter, die Predigt einzustellen und die Stadtzu verlassen. Die Folge war, daß es nun allgemein hieß, dieSignorie habe vier Prediger aus der Stadt vertrieben 18 , und Valorigleich ihr der Parteilichkeit für den Frate beschuldigt wurde. BeiBeginn der Fastenzeit gebot die Signorie dem Prediger von HeiligKreuz, seine Kanzelvorträge wieder aufzunehmen. Er ver-weigerte dies jedoch, falls nicht auch seine Genossen dieselbe Er-laubnis erhielten; denn sie stünden wie ein Mann zusammen undseien ein Herz und eine Seele. Da aber die Signorie fürchtete, dieSache könnte dem Frate am römischen Hofe schaden, so ließ siealle wieder zur Predigt zu 19 .
Von größerer Tragweite war eine von Valori angeregte unddurchgeführte Bestimmung, die auf eine Stärkung des großen Batsund der Volksherrschaft abzielte, in Wirklichkeit jedoch den Geg-nern zustatten kam. Häufig war die Klage laut geworden, dieSitzungen des großen Bates nähmen zuviel Zeit in Anspruch undwürden zu oft berufen; viele Bürger blieben ihnen daher ferne.Valori glaubte nun durch ein Gesetz Abhilfe schaffen zu können,wonach zum Eintritte in den großen Bat statt des bisher vor-geschriebenen Alters von 30 Jahren schon ein solches von 24genügen sollte. Die Folge war aber, daß die Compagnacci, dieeifrigsten Bundesgenossen der Arrabbiaten, in Masse in den gro-ßen Rat einzogen und die Stellung der letzteren festigten 20 . Eineglücklichere Hand hatte der Bannerherr, indem er die von denFrauen und Kindern längst zur Bestätigung eingereichte Kleider-und Lebensreform wieder aufgriff und verschiedene Bestimmun-gen zur Annahme brachte, ohne eine Genehmigung des Ganzendurchsetzen zu können 21 .