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1 (1924) Das Leben
Entstehung
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390
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3 go DIE PREDIGTEN ÜBER EZECHIEL

einen Mann, der ganz dazu angetan war, seine Freunde von sichzu stoßen, und mit den Säulen der Partei, Männern wie JohannBaptist Ridolfi, Jakob und Alamanno Salviati, auf gespanntemFuße stand, die ihn beschuldigten, daß er allzu hoch hinaus wolle,und rieten, ihm von Zeit zu Zeit einen Peitschenschlag zu ver-setzen, um ihn im Zaume zu halten. Der Frate vermochte sichauch der Befürchtung nie ganz zu entschlagen, Valori möchte sicheines Tages der Alleinherrschaft bemächtigen; wäre dies nichtgewesen, so hätte er ihn gern zum Dogen nach venezianischemMuster ausersehen. In Anbetracht seines Eifers für die Sache derFreiheit und des Volkes jedoch, sodann in Würdigung seiner ent-schiedenen Gegnerschaft zu den Medici, an deren Vertreibung erstark beteiligt war, und endlich im Hinblicke auf seine Kinder-losigkeit, die das Streben nach Vererbung der Macht nicht aufkom-men ließ und daher auch den Drang nach der Macht selbst nichtbegünstigte, gab er schließlich doch ihm den Vorzug und empfahlihn seinen näheren Freunden. Obschon Valori ein häufiger Gastin S. Marco war und mit Dominikus von Pescia und SilvesterMaruffi viel verkehrte, so sprach er doch mit dem Frate selbst nurselten und dann meist nur über persönliche Dinge, während erüber politische Fragen durch Andreas Cambini mit ihm verhan-delte 15 . Da er aber immerhin in S. Marco aus und ein ging undsich, obschon er durchaus selbständig handelte, beständig aufSavonarola berief, so mußte, er den Eindruck erwecken, als sei erdoch nur ein Strohmann des Frate. Die üblen Folgen all dessen/ ^ zeigten sich sofort: seine Maßregeln, mochten sie noch so gutgemeint und auch wirklich im Sinne der Allgemeinheit gelegen*r sein, erschienen als der Ausfluß bloßer Parteipolitik. *""

Dies galt schon von seinem strengen Vorgehen gegen die Sodo-miten und Spieler 10 sowie von seinem Einschreiten gegen die' feindlichen Prediger. Der Franziskanerobservant Jakob Grumel vonBrixen behauptete auf der Kanzel von S. Lorenz offen, das Volkwerde unter dem Vorwande des Guten betrogen, und er sei bereit,dafür überall einzustehen; in ähnlichem Sinne äußerten sich auchdie übrigen Kanzelredner. Aus Furcht, es möchte während derFastenzeit zu Unruhen kommen, beschied die Signorie die Oberender beiden Observantenklöster zu sich und forderte sie zur Er-klärung darüber auf, worin denn dieser Betrug bestehe; im andernFalle hätten sie sich fürder aller Predigten über den Staat zu ent-

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