VALORI BÄNNERHERR 389
laß 7 . Die Gegner argwöhnten, er habe es lediglich auf eine Be-waffnung seiner Anhänger abgesehen, um so alle Macht an sichzu reißen und jeden Widerspruch niederzuschlagen 8 ; im allgemei-nen wurde der Ratschlag aber so aufgenommen, wie er gemeintwar, als eine Sicherung zum Wohle des Volkes. Die EndeDezember für Januar-Februar vorgenommene Wahl der Signorenergab eine starke fratesche Mehrheit mit Franz Valori als Banner-herrn der Gerechtigkeit, ein Ergebnis, das den Argwohn undSchrecken der Gegner erst recht herausforderte". Valori, der„florentinische Cato 10 ", war einer der vornehmsten und ange-sehensten Bürger der Stadt. Eine stattliche, Ehrfrucht gebietendeErscheinung, streng, uneigennützig, kurz angebunden, hoch-fahrend, voll großer Entwürfe und Pläne und voll' unbändigenEhrgeizes 11 , sah er sich nunmehr zum vierten Male mit der höch-sten Würde bekleidet, die seine Mitbürger zu verleihen hatten,obschon er, beim Volke ob seines herrischen Wesens wenig beliebt,noch kurz zuvor nicht einmal seine Wahl in die Behörde der Zehnhatte durchsetzen können 12 . Zum Haupte einer frateschen Sig-norie erkoren, gab er, der Führer ohne Truppe, sich mit vollemUngestüm der Sache der Frateschen hin, die, eine Truppe ohneFührer 13 , durch ihn jene äußere Geschlossenheit und Schlagfertig-keit erhielt, deren sie mangels eines eigenen politischen Hauptesbisher entbehrt hatte. Aber was die Frateschen nunmehr anstraffer Zusammenfassung und Zielsicherheit gewannen, büßtensie an moralischem Ansehen ein. Immer war es ihr Stolz undihre Größe gewesen, daß sie ebenso wie ihr Meister, der Frateselbst, das ganze Volk, das gesamte Gemeinwesen, im Auge hat-ten; unter Führung Valoris sanken sie zur bloßen Partei herab,die nicht mehr so fast auf die Allgemeinheit, denn auf sich selbstund ihren Vorteil, auf die Festigung ihrer Reihen gegenüber denAngriffen der Arrabbiaten sah und hierdurch notwendig auch denFrate selbst in eine schiefe Stellung versetzte 14 . Dem Frate konntedies nicht verborgen bleiben; aber er mußte es mit in den Kaufnehmen, wenn er seine Anhänger vor gefährlicher Zersplitterungund Zerfahrenheit bewahren und mit einer einheitlichen Leitungversehen wollte, mit deren Einzelheiten er sich nicht belastendurfte, ohne seinem erhabenen Berufe als Prophet, Priester undOrdensmann zu nahe zu treten. Nicht als ob er in Valori denFührer nach seinem Herzen gesehen hätte. Er kannte ihn als