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1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
385
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DIE UMTRIEBE DER UNZUFRIEDENEN 30.5

seine Untergebenen auch jetzt geschlossen auf seiner Seite zu haben.Er täuschte sich. Denn alle, die einst schon die Trennung nicht gerngesehen hatten, oder sich, wie Robert Ubaldini, mit den gegen-wärtigen Verhältnissen nicht zu befreunden vermochten, warenim Grunde ihres Herzens für den Anschluß an die römisch-tuszi-sche Kongregation, vermochten aber freilich nicht durchzudrin-gen, da der Frate die Eltern und Verwandten der Brüder um sichversammelte, sie über die Nachteiligkeit und Bedenklichkeit derpäpstlichen Anordnung aufklärte und hierdurch die Laien sowohlwie die regeltreuen Brüder dahin brachte, daß sie ihre Zustim-mung zur Vereinigung mit der römisch-tuszischen Kongregationgänzlich versagten 88 . Allein, wenn sich die Unzufriedenen äußer-lich zunächst auch fügten ihre geheimen Umtriebe wider ihrenVorgesetzten setzten sie in Rom emsig fort. Wie Richard Becchi,florentinischer Gesandter beim Heiligen Stuhle, wenige Monatenach dem Breve vom 7. November aus der ewigen Stadt berich-tete 87 , war ein Mönch aus S. Marco, einer von denen, die nicht zuden Anhängern des Frate gehörten, in Rom eingetroffen und hattewiederholt lange Unterredungen mit dem Kardinal Medici undseinem Bruder Peter. Wenn der Mönch vorgab, hierbei im Auf-trage des Frate zu handeln, so war dies ein handgreiflicher Trug,zu dem Ende ersonnen, diesen in den Augen des florentinischenVolkes zu verdächtigen; denn es verstand sich von selbst, daß sichder Frate, wenn er sich wirklich mit den Medici einzulassen ge-dachte, sicher nur eines ihm als vollständig zuverlässig bekanntenBruders bedient haben würde, von dem er keinen Verrat zu be-fürchten hatte. Immerhin war aber die Tatsache äußerst be-merkenswert, daß sich ein Abgesandter der Gegner des Frate ausS. Marco in Rom einfand und mit den Medici, seinen geschwore-nen Feinden, lange Verhandlungen pflog. Natürlich war der Pro-kurator Franz Mei in alles eingeweiht. Ohne Zweifel hatte aucher durch Vermittlung dieses Vertrauensmannes ein Schreiben vonihnen erhalten, eines von denen, die er nach dem Tode des Frateaus dem Busen zog und dem Papste vorwies 88 . So begreifen wires, wie Thomas Sardi, der Verfasser eines geistlosen allegorischenGedichtesAnima Peregrina", dem Frate die herbe Klage in denMund legen konnte 80 , sogar seine eigenen Brüder, nämlich dieMönche von S. Marco, hätten zu seinen Verfolgern gehört.

25 Schnitzer, Savonarola