DIE MITTELMÄSSIGKEIT IN S. MARCO 36 r
und als die sicherste Pforte des Heiles verkünden, das doch seinereigenen Versicherung gemäß nur einem geringen Prozentsatze derKlosterleute zufiel? Lohnten sich all die harten Opfer, Entsagun-gen und Abtötungen? Wenn man einer seligen Ewigkeit auch imweltlichen Berufe, im Schöße der Familie, als Hausvater undMutter gewärtig, als Mönch aber keinesfalls sicher sein durfte,wenn es so viele kindlich fromme Männer und Frauen und soviele verworfene Mönche und Nonnen gab, waren dann die ein-jyw A'^-*-*^und aufdringlichen Lockrufe zum Eintritt ins Kloster berechtigt,war es zu verantworten, so manchen Eltern das einzige Kind zuentreißen? Solche Fragen stellte sich Savonarola allerdings nicht,konnte sie auch gar nicht stellen, da sie nicht ihn allein, sondernden Ordensstand als solchen berührten, dessen Vorrang ihm aufGrund der kirchlichen Lehre ein für allemal feststand. Einen be-trüblichen Tiefstand aber wies gar der Pegel der geistigen Be-gabungen und Leistungen auf. Unter diesen dritthalbhundertMännern war nicht ein einziger überragender Kopf, nicht eineinziger, die platteste Mittelmäßigkeit übertreffender Geist 1 * 7 . Turm- f ° :hoch stand Savonarola über allen, wie winzige Zwerge nahmensie sich neben ihm aus, unfähig, ihn und sein Werk in seinerganzen Größe und Tragweite zu verstehen, hauptsächlich vomPropheten in ihm bezaubert und daher in dem Augenblicke anihm verzweifelnd, in dem sie diesen Glauben unter der Wuchtder Erlebnisse nicht mehr aufrechterhalten zu können meinten.Schon solange der Obere noch auf der Höhe seines Erfolges undRuhmes war, beschränkte sich der Widerspruchsgeist der Unzu-friedenen keineswegs auf innere Spaltungen, sondern sah sich umBundesgenossen auch auswärts um und fand einen Gesinnungs-genossen von seltenem Einflüsse in Born. Ob der Trennung vonden Lombarden mit dem Frate, wie erinnerlich, entzweit, hattesich Franz Mei nach Bom begeben und es hier ausgezeichnetverstanden, das Vertrauen des Ordensmeisters zu gewinnen. Nachdem Tode des bisherigen Ordensprokurators Ludwig von Ferrarazu dessen Nachfolger 73 ernannt, hatte er eines der höchsten undbegehrtesten Ordensämter erreicht, das seinen Träger leicht zumGeneralate und Kardinalate emportrug 74 . Als Sachwalter seinesOrdens beim Papste stand er in beständiger persönlicher Fühlungmit diesem und den leitenden Männern seiner Umgebung 75 , und erbenützte diese glänzende Gelegenheit zum Verderben des Frate,