3 8o DIE RöMISCH-TUSZISCHE KONGREGATION
nur den Maßstab ihres eigenen Verstandes anlegen und sich inDinge mischen, die sie nichts angehen, weshalb sie nur geringeFortschritte machen und viele Gnaden verscherzen. Auch amGehorsame lassen sie es fehlen und sind nicht so rückhaltlos wil-lig, wie es erforderlich wäre; sie wollen nicht wie der Esel sein,der sich ohne Murren überallhin führen, beschimpfen und miß-handeln läßt. Manche halten die Regel und Satzungen nicht mitder nötigen Gewissenhaftigkeit, brechen das Stillschweigen umjeder Kleinigkeit willen und hören beim Glockenzeichen nicht so-fort mit dem Gespräche auf, sondern möchten es, so nichtig es sei,noch vollends beschließen. Jedermann sollte bei der Wahrheitbleiben, üble Nachreden, unziemliche Spässe und alles mürrischeWesen meiden und derlei Gesprächen nicht zuhören. Geschwätzig-keit ist die Feindin des Geistes und erzeugt leicht zu große Ver-traulichkeit und infolgedessen Spaltungen unter den Brüdern. Inden Studien legen die einen große Nachlässigkeit, die anderenaber so übertriebenen Eifer an den Tag, daß sie die Gebetsübun-gen darüber versäumen. Wenn wir uns an die Anordnungenunserer Oberen halten, so sind wir gegen alle Ausschreitungengefeit und bleiben gesund, denn im Übermaße an Speise undTrank haben viele Krankheiten ihren Grund. Die Hauptsorgedes Ordensmannes muß jedoch stets auf Überwindung seinerselbst und besonders seines Hochmutes gerichtet sein; viele ver-mögen sich, sobald sie nicht zur Genüge geachtet zu sein meinen,der Klagen nicht zu erwehren, und fallen so den Lockungen desdes Teufels zum Opfer. Wir sind Mönche, um von den Menschengering geschätzt zu werden, auf daß uns Gott unter die Engel er-höhe. Wenn hinwiederum andere mehr, als vorgeschrieben ist,zu tun begehren, so besteht die beste Mehrleistung in der gewissen-haften Beobachtung der Regel; jedenfalls hüte man sich vor jedemÜbermaße und befleißige sich eifrigen Gebetes, damit uns Gottin unseren Trübsalen und Kämpfen den Sieg verleihe.
Die Streitigkeiten und Eifersüchteleien der Brüder von S. Marcounter sich und die mancherlei ernsten Mahnungen, zu welchensich ihr Oberer gezwungen sah, gewähren kein allzu erfreulichesBild vom inneren Leben des Klosters. Wenn sich nun so viel Un-vollkommenheit und Gebrechlichkeit selbst unter Männern kund-gab, die zum höchsten Fluge ausholten — durfte man das Or-densleben dann mit dem Frate wirklich so rühmen und preisen