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1 (1924) Das Leben
Entstehung
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375
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DIE NOVIZEN 375

beigeströmten Laien fromme Gesänge und Gebete anstimmen,woran er einen Vortrag über die Geschichte des Tobias knüpfte 50 .Selbst in den Stunden der Erholung trat er häufig in die Mitteseiner Söhne und gab ihren Unterhaltungen eine Wendung aufdas Göttliche. War er mit ihnen auf einem Spaziergange begrif-fen, so verkürzte er ihnen die Zeit durch Erzählungen aus demLeben der Heiligen, durch Gespräche über den Sinn gewisserPsalmverse und Bibelstellen oder durch Absingen frommer Ge-sänge 51 . In dieser religiösen Höhenstimmung ward ihnen die Er-holung zur Andacht und die Andacht zur Erholung, und selbst diein den Klöstern sonst so beliebten Aufführungen biblischer Thea-terstücke verloren für sie jeden Reiz 52 . Eine zärtliche Liebe hegteer zu den Novizen. Mit Vorliebe weilte er in ihrer Mitte, im Um-gange mit ihnen fühlte er sich erfrischt und verjüngt.Wollt ihr",sprach er häufig zu den älteren Vätern,daß ich gut predige?Dann gönnt mir einige Plauderstündchen mit meinen Kindern!"Auch mit ihnen unterhielt er sich dann über die göttlichen Dingeund heiligen Schriften 53 . Da die Nonnen nicht wie die Möncheden Predigten im Dome anwohnen konnten, so schmachteten sieganz besonders nach seinem Worte; so predigte er denn wieder-holt eigens für sie 54 , oder widmete ihnen Abhandlungen über reli-giöse Dinge. Der Äbtissin des Benediktinerinnenklosters derMurate schrieb er eine ausführlicheErklärung der zehnGebote Gotte s", zugleich eine Gewissenserforschung überalle Sünden 55 . Als ihn aber die Schwestern vom Dritten Orden deshl. Dominikus im Kloster Annalena neuerdings um eine Abhand-lung bestürmten, gab er ihnen zur Antwort 56 , er habe nun genugund übergenug geschrieben, an ihnen sei es, das Gelesene zur Tatreifen zu lassen.

In den Ansprachen und Schreiben, die der Frate an seineUntergebenen oder sonstige Ordensleute richtete, drang er stetsganz besonders auf gewissenhafte Beobachtung der Armut. Dar-unter verstand er freilich weder die behäbige Armut, die sich mitGrundbesitz und Erträgnissen aller Art wohl versorgte, noch jeneschäbige Armut, die sich in Fetzen und Schmutz gefiel, sondernjene in einer aufrichtigen Abkehr von allem Irdischen wurzelndeGenügsamkeit, die sich in Nahrung und Kleidung mit dem zumLebensunterhalte Unentbehrlichen zufrieden gab 57 . In demBrief an die Gräfin Magdalena von Miran-