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1 (1924) Das Leben
Entstehung
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376 DIE RÖMISCH-TUSZISCHE KONGREGATION

d o 1 a" 58 , mit dem er sie in ihrem Vorhaben, den Schleier zunehmen, bestärkte, klagte er, daß das Gelübde der Armut in denKlöstern vielfach so schlecht gehalten werde. Es gebe so vieleMönche und Nonnen, die zwar arm sein möchten, ohne jedochetwas zu entbehren, zwar das Große verlassen, aber ihr Herz andas Kleine hängen und nur die eine Welt mit der anderen ver-tauschen, um beide zu verlieren. Je reicher die Gräfin in der Weltgewesen, um so ärmer müsse sie nunmehr im Kloster leben, zu-frieden mit einem alten, rauhen, geflickten Gewände und miteinem Breviere von geringem Werte und ohne alle kostbaren Zie-raten, und wenn sie ohne eigenes Brevier auskommen könne, destobesser. Ihre Zelle solle so ärmlich sein, daß sie, ohne der Gefahr,ausgeraubt zu werden/, ausgesetzt zu sein, stets auch den Diebengeöffnet bleiben könne, da sie nichts als das unbedingt Nötigeberge, ein einfaches Bett, einen einfachen Schreibtisch, einfacheBilder, keine Jesuskindchen aus Wachs oder Ton, mit denen soviele Nonnen Abgötterei treiben und auf deren Ausschmückung siesoviel Geld verschwenden, das besser für die Armen verwendetwürde. Von größter Wichtigkeit sei das Gelübde des Gehorsams,das jedes Opfer weit überwiege. Die Gräfin möge sich den Mönchzum Vorbilde nehmen, der beim Eintritte ins Kloster zu sichselbst sprach:Du und ein Esel seid ein und dasselbe, sei duMönch wie ein Esel!", wie ein Lasttier, das geht, wohin man estreibt, sich alle Lasten aufbürden und verprügeln läßt.

Trotz aller grundsätzlichen Strenge bewährte sich der Frateim Verkehre mit seinen Untergebenen als ein gütiger und nach-sichtiger Oberer. Er bekannte selbst 59 , daß er im Fortgange seinerprophetischen Erleuchtung, weit entfernt, seine Forderungenan sich und andere zu steigern und zu verschärfen, mehr undmehr eingesehen habe, eines schicke sich nicht für alle, vielmehrsei jedem ein besonderes Maß beschieden, über welches man imFasten, Kasteien und Nachtwachen nicht hinausgehen dürfe.Gleichwohl fehlte es in S. Marco nicht an Unzufriedenen. Zuihnen zählte Bobert Ubaldini aus Florenz, ein Mann, der ehemalsals Schüler zu seinen Füßen gesessen und von ihm als Gehilfe zurBeinschrift verschiedener Werke, so namentlich derEinfalt desChristenlebens", sowie zur Erledigung unwichtiger Briefe anKlöster und Ordensoberen herangezogen worden war 60 ; denndie wichtigen Schreiben besorgte der Frate selbst mit Hilfe seines