MEDICEISCHE BIBLIOTHEK
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Lorenzo mit den größten Geldopfern gesammelte und aus denseltensten Handschriften und Büchern bestehende Familien-bibliothek hatte schwer gelitten. Um sie vor weiteren Ver-lusten zu bewahren, war sie durch Beschluß der Signorievom 6. Dezember 1494 nach S. Marco verbracht und derObhut der Brüder mit der Vereinbarung anvertraut worden, daßsie der Stadt, ein unverzinsliches Darlehen von 2000 Dukatengewährten, wofür sie sich, wenn sie ihr Darlehen binnen Jahres-frist nicht zurückerhielten, an den ihrer Aufsicht überlassenenliterarischen Schätzen schadlos halten könnten. Im Januar 1497kam eine neue Übereinkunft des Inhalts zustande, das Klostersolle auch die verschleppten (ausgeliehenen) Bücher erhalten,wenn es binnen 18 Monaten 1000 Gulden oder die Bürgen hierfüraufbringe 37 . Es fehlte in S. Marco keineswegs an Männern, diesich die ihnen so reichlich zur Verfügung gestellten außerordent-lichen Bildungsmittel nutzbar zu machen gewillt und imstandewaren. Für Gelehrte wie Zenob Acciajuoli und Georg AntonVespuaci mußte es geradezu eine Wollust sein, sie zu durch-forschen, und ohne Zweifel begrüßten sie den Auftrag des Fratemit Freude, die darunter befindlichen Schriften des griechischenPhilosophen Sextus Empirikus ins Lateinische zu übersetzen 38 .Zum Herde humanistischer Studien ward S. Marco gleichwohlnicht. Der Frate hielt von menschlicher Wissenschaft und Wohl-redenheit überhaupt nicht viel. Zwar wurden die klassischenSprachen in S. Marco keineswegs vernachlässigt 30 ; in Zenob Accia-juoli und Georg Anton Vespucci, der schon vor seinem Eintritteins Kloster die vornehme florentinische Jugend in der lateinischenund griechischen Literatur unterwiesen hatte, standen dem Oberenvorzügliche Lehrkräfte für sie zur Verfügung. Sein Hauptaugen-merk blieb jedoch stets auf die morgenländischen Sprachengerichtet, auf das Hebräische, Arabische und Aramäische, um dieBrüder unter Leitung des gelehrten ehemaligen Juden Blemmetzu künftigen Missionaren heranbilden zu lassen 40 . Wenn er späterbeschuldigt wurde, die Pflege der freien Künste sowie der Theo-logie vernachlässigt zu haben, so daß man nach seinem Tode ausMangel an eigenen Lehrkräften gezwungen war, solche aus lom-bardischen Klöstern zu beziehen 41 , so spricht aus solchen Klagenlediglich Tdas Bestreben, die zum Zwecke der LombardisierungS. Marcos geplante Berufung fremder Meister zu beschönigen; wir