372 DIE RÖMISCH-TUSZISCHE KONGREGATION
stattfand, gab den Gegnern zum Argwohn Anlaß, als würden hierpolitische Beratungen gepflogen und Ränke geschmiedet, ein Vor-wurf, der nicht verstummen wollte, so oft er zurückgewiesenwurde 3 *. Allerdings unterhielten manche Brüder, ganz besondersSilvester Maruffi, sehr rege Beziehungen zu den angesehenstenBürgern der Stadt, die auf der Seite des Frate standen und fleißig*erschienen, um sich über die schwebenden politischen Fragen zubesprechen und über die jüngsten Ereignisse und Ratsbeschlüsseauszulassen. Die führenden Frateschen, Männer wie FranzValori, Andreas Cambini, J. B. Ridolfi, Joh. Cambi, Dom. Bonsi,Jakob und Alamanno Salviati u. a. gingen in S. Marco ein undaus 32 , machten dem Frate ihre Aufwartung, statteten verschiede-nen Brüdern in ihren Zellen Besuche ab oder ergingen sich mitihnen in den schattigen Lauben des herrlichen Klostergartens.Nicht wenige stellten sich zu religiösen Zwecken im Kloster ein,um an den geistlichen Übungen und besonders an den Vorträgenteilzunehmen, die der Prophet für seine Untergebenen hielt; soDominikus und Hieronymus Benivieni, Barth. Redditi, Joh. Nesi;Peter Cinozzi, dessen einziger Sohn Mönch in S. Marco war, ver-brachte hier fast seine ganze Zeit und hatte einen eigenen Schlüs-sel, um Tag und Nacht unbehindert kommen und gehen zu kön-nen 33 . Wie die Bürger nicht mit leeren Händen erschienen, soschieden sie nicht ohne Frucht, indem sie für die weltlichen Güter,die sie mitbrachten, geistige eintauschten, die ihnen reichlich zu-teil wurden 31 . Brüder wie Laien waren von dem Leben, das inS. Marco herrschte, durchweg entzückt. Das Kloster erschienihnen geradezu als ein irdisches Paradies 33 .
Eine Hauptanziehungskraft S. Marcos bildeten die kostbarenSchätze an Handschriften und Büchern, durch die es alle KlösterItaliens in Schatten stellte. Waren hier doch zu Lebzeiten desFrate drei wertvolle Büchereien untergebracht: einmal die vonCosimo Medici geschenkte Klosterbibliothek; sodann die vonNiccolo Nicoli herstammende, öffentliche Bibliothek; und endlichdie dem persönlichen Gebrauche der Medici dienliche Familien-bücherei, um deren Erhaltung sich der Frate ein besonderes Ver-dienst erwarb 36 . Nach der Vertreibung Peter Medicis und dem Ein-züge der Franzosen im November 1494 war, wie erinnerlich, derPalast Medici der Plünderung durch einheimisches Gesindel undfremde Truppen ausgesetzt; auch die im Palaste befindliche, von