______________ DER EIFER IN DEN KLÖSTERN 371
nach, daß ihre Kunstwerke in Rom, Neapel, der Lombardei undganz Italien begehrt waren 23 . Das ebenfalls der Leitung S. Marcosunterstellte Kloster S. Lucia, das sonst etwa 30 Schwestern beher-bergt hatte, war vom dritten zum zweiten Orden des heiligen Do-minikus übergegangen. Die Schwestern hatten in die Hände desFrate die feierlichen Gelübde abgelegt und die Regel in ihrer vollen fStrenge auf sich genommen. Bald war ihre Zahl auf 100 empor-,geschnellt, und obschon das Kloster erheblich erweitert wurde, sowar es doch nicht imstande, die Menge edler Mädchen und Frauenzu fassen, die um Aufnahme flehten; mehr als 200 mußten abge-wiesen werden 24 . Durch strenge Klausur von der Welt abgeschlos-sen, durch harte Abtötungen und Bußübungen körperlich ge-schwächt und entkräftet, verfiel ein Teil der Nonnen in hysterischeZustände, die sich in allerhand Sonderbarkeiten, nicht selten sogarin Verhöhnungen und Beschimpfungen des Frate, äußerten undnatürlich als Auswirkungen böser Geister gedeutet wurden 28 .
Auch auf fremde Orden griff das vom Frate entzündete Feuerüber 26 . Gabriel Mazzinghi, Mönch von S. Salvo bei Florenz, klagtein Briefen an Bruder Santi Rucellai über den tiefen Verfall seinesKlosters und bat ihn um das Gebet und die Unterstützung desFrate zur Wiederherstellung der verlotterten Ordenszucht 27 . DieKamaldulenser des Klosters von den Engeln zu Florenz, derenReform ihrem Generale Peter Delphi trotz heißer Bemühungennie gelingen wollte, wählten die Predigten des Frate zur Tisch-lesung und machten sich in notarieller Urkunde anheischig, ihrKloster dem Frate zu überlassen und sich in S. Marco seiner Füh-rung zu unterwerfen. Savonarola pries ihren Eifer und gutenWillen, lehnte aber ihr Angebot mit der Erklärung ab, ihr Ordens-stifter Romuald sei ein heiliger Mann gewesen, sie möchten nurseinen Fußstapfen folgen, statt ihr Kloster mit S. Marco zu ver-tauschen, was ja vom Heiligen Stuhle doch nicht genehmigt würde 28 .Sogar aus der lombardischen Kongregation suchten einige Brüderum Aufnahme in S. Marco nach, um hier der Ordensregel getreuernachleben zu können 59 .
Wohl hatten sich die geistigen Söhne des Frate aus der Weltgeflüchtet; nun aber flüchtete sich die Welt in solcher Menge zuihnen, daß sich der Frate genötigt sah, dem Strome mit der Bittezu wehren, das Kloster nicht um jeder Kleinigkeit willen zu über-laufen 30 . Das unaufhörliche Kommen und Gehen, das in S. Marco
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